Zwischen Lernzetteln und Popcorn-Tüten: Das AStA-Kino Wilhelmshaven – jade.impuls
Zwischen Lernzetteln und Popcorn-Tüten: Das AStA-Kino Wilhelmshaven

Zwischen Lernzetteln und Popcorn-Tüten: Das AStA-Kino Wilhelmshaven

„Weißt Du, was eine richtig gute Idee wäre? Wenn man mal so etwas wie ein Kino an der Hochschule machen würde!“

So lautete die kreative Aussage eines Studenten, die Alexander Schneider im letzten Semester aufgreifen konnte. Wundern sollte man sich wohl, denn gibt es das nicht bereits an unserer Hochschule? Alexander, Maschinenbau-Student und Film-Referent betraut mit der Organisation des AStA-Kinos weiß es genau und erzählte von dieser amüsanten Anekdote mit einem Grinsen im Gesicht. Ein Scherz könnte es tatsächlich gewesen sein, das, was dieser Student damals zu ihm sagte. Wie absurd sich so ein Moment doch anfühle, da er seit September 2016 selbst eben nicht unerheblich an der fortführenden Umsetzung der Idee an der Jade Hochschule beteiligt ist. In welchem Semester der Student wohl sei, fragte sich der Film-Referent damals. Doch im Wissen, dass dieser Student mit fünf Semestern Erfahrung noch nie etwas vom AStA-Kino gehört haben soll, blieb das Verständnis wirklich äußerst zurückhaltend. Und das vor allen Dingen im Anbetracht der Werbetrommel, die kaum stärker gerührt werden kann, als es sich der AStA zur Aufgabe macht. Ob neu im Studentenmilieu, bereits erfolgreich im Berufsleben oder exmatrikuliert: Vor der Werbung ist wohl keiner sicher, glaubt Alexander. Doch was gibt es eigentlich Wissenswertes über die Hintergründe des AStA-Kinos? Wir haben einmal nachgefragt.

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Alex, kaum einer kennt es nicht: Das AStA-Kino. Doch wie läuft die Planung einer neuen Saison genau ab?

Der Ablauf ist sehr umfangreich. Fünf bis sechs Wochen vor der ersten Kinovorstellung geht es los und das komplette Programm muss bis dahin stehen. Ganz alleine schaffen wir das natürlich nicht. Wir kooperieren mit unifilm.de. Das ist ein Netzwerk von Uni- und Hochschulkinos in ganz Deutschland. Es sind in diesem Semester 86 Kinos in 74 Städten dabei, darunter auch in Großstädten wie Berlin und München. Über diesen Partner beantragen wir dann Lizenzen. Wir schauen, für welche Filme derzeit Lizenzen zur Verfügung stehen, wann die Filme veröffentlicht werden und wann die Lizenzen  für unsere Hochschule frei sind. Dadurch kommt es manchmal zu der ärgerlichen Situation einige Filme nicht zeigen zu können. In diesem Semester beispielsweise hätten wir gerne „John Wick 2“ gezeigt, die dazugehörige Lizenz war jedoch nicht frei und wir hätten ein paar Wochen darauf warten müssen. Dann wäre die erste Kinovorstellung auch erst zwei bis drei Wochen später gewesen. Unifilm.de stellt uns außerdem die Programmhefte, sowie die Flyer und Karten für die einzelnen Filme zur Verfügung. Die werden für jedes Kino separat in den Druck gegeben und brauchen daher auch eine gewisse Vorlaufzeit. Zum kommenden Semester ist es dann also wichtig zu wissen, welche Filme man hat und was man für Specials machen wird. Wir haben außerdem einen kompletten Snackverkauf mit Popcornmaschine, Nachos und kühlen Getränken. Die Organisation der einzelnen Vorstellungen planen wir dann Woche für Woche. Die Snacks und Getränke, die stets viel gekauft werden, müssen regelmäßig im Großhandel besorgt werden. Bei anderen Dingen reicht es auch, einmal am Anfang des Semesters einzukaufen.

Wie sieht dann die Organisation einer einzelnen Vorstellung aus?

Um 19 Uhr ist jede Woche Einlass im AStA-Kino. Wir sind zwei Referenten im Bereich Film. Bereits um 17:30 Uhr treffen wir uns, legen das Technik-Equipment, Snacks und Getränke raus und machen die Checklisten fertig, sodass mit dem Aufbau begonnen werden und stets der Überblick gewahrt werden kann. Um 18 Uhr stoßen die Studenten, die sich einen Studiensonderpunkt verdienen oder freiwillig helfen wollen, zu uns und wir beginnen mit dem Aufbau. Alte Plakate werden abgehangen, neue aufgehängt. Die Aula wird komplett umgebaut, Snacks vorbereitet und die Technik überprüft. Das alles ist der Aufwand vor dem Kino. Man hat natürlich auch noch die komplette Nachbereitung. Dazu gehört zum Beispiel die Abrechnung mit dem Kooperationspartner. Danach geht es direkt weiter und ich suche das Gespräch mit einigen Gastronomien über Kooperationen und damit verbundene Giveaways im folgenden Semester. Größere Aktionen werden direkt über unifilm.de und ihre beziehungsweise unsere Sponsoren abgeklärt. 

Wie wird denn überhaupt entschieden, welche Filme für die Vorführungen ausgewählt werden?

Uns steht immer eine riesige Liste zur Verfügung, aus der wir die Filme auswählen können. Die Auswahl treffen wir Film-Referenten. Wir setzen uns jedoch selbst Vorgaben, um es ausgewogen zu gestalten: Zum Beispiel sagen wir immer, dass wir einen Animationsfilm brauchen, dann ein bis zwei ruhigere Filme, beispielsweise etwas in Richtung Romanze, dann natürlich ein paar Action-Filme, etwas aus dem Science-Fiction-Bereich und, wenn möglich, auch etwas Besonderes wie das Mitmachkino. In allererster Linie müssen wir abwägen, ob die Filme Erfolg versprechen oder nicht. Manchmal kann man sich dabei auch ein wenig vergreifen. So erreichten wir bei der Vorführung von „Deadpool“ vor zwei Semestern an die 120 Zuschauer, während wir im gleichen Semester bei „The Hateful Eight“ nur etwa 30 Zuschauer hatten. Die Liste beinhaltet Empfehlungen von unifilm.de zu Filmen, die schon gezeigt wurden und gut ankamen. Meistens kennt man die Filme aber bereits selbst und weiß, dass die Leute den Film besuchen wollen. Comicverfilmungen und bekannte Franchises laufen in der Regel immer gut. Wir bemühen uns auch um Sonderfilme. Dieses Semester haben wir „Der Pate“ in englischer Originalvertonung gezeigt. Dafür können wir die Lizenzen dann auch separat bei unifilm.de anfragen. Wir suchen also Film und Vertonung aus und richten uns an unseren Kooperationspartner. Unifilm.de fragt darauf hin beim Verleiher an.

Wie wird der jeweilige Film für eine Vorführung dann beschafft? 

Dafür gibt es ein besonderes System. Wir bekommen die Filme als Blu-Ray per Post zugeschickt. Am Tag der Vorstellung bekommen wir dann zudem eine E-Mail von unifilm.de, welches Kino den Film als nächstes zeigt, und wir schicken die Blu-Ray dementsprechend weiter. Die Kosten dafür übernimmt unser Kooperationspartner selbst. Möglich wäre das Ganze auch per Online-Streaming. Einige Universitäten setzen bereits darauf. Wichtig ist allerdings, dass wir auf einer großen Leinwand auf Full HD angewiesen sind. Und da habe ich bereits festgestellt, dass das Internet in der Aula nicht schnell genug ist. Daher kann es dazu kommen, dass der Ton ein bis zwei Sekunden Verzögerung hat oder das Bild gelegentlich ins Stocken gerät. Das ist in einem Film sehr ärgerlich und das wollen wir natürlich vermeiden. Das System per Blu-Ray und das Verschicken ist zwar umständlich, aber die sichere Wahl, wenn es um Qualität geht. 

Gibt es Konflikte bezüglich der Lizenzen?

Werbung darf zum Beispiel nur über die unifilm.de-Website und hochschulintern erfolgen. Das  bedeutet also, dass auf den Social-Media-Plattformen des AStA eine Bewerbung problemlos möglich ist, während auf Seiten außerhalb des Veranstalters, also dem AStA Wilhelmshaven sowie unifilm.de, hingegen nicht geworben werden darf. Das gilt genauso für Printmedien. Diese dürfen nicht außerhalb des Hochschulgeländes ausgehändigt werden. Das liegt daran, dass wir ansonsten mit den günstigen Preisen eine direkte Konkurrenz zu den öffentlichen Kinos wären. In dem Falle würden die Verleiher uns auch einen Riegel vorschieben. Erst kürzlich kam es zu einem Problem seitens des Verleihers. Wir wollten „Dunkirk“ gerne am 18. Dezember zeigen und hatten bereits die nötige Lizenz erworben. Allerdings wurde die Veröffentlichung dann kurzfristig vom 14. Dezember auf den 19. Dezember verschoben. Damit konnten wir den Film trotz Lizenz und ausführlichem Bewerben des Filmes nicht zeigen und mussten uns schnell eine Alternative suchen. Über unseren Kooperationspartner können wir aber stets genau erfahren, wie es um die Lizenzen steht. Probleme gibt es eher selten.

AStA-Kino

Wie gestaltet sich der finanzielle Rahmen des AStA-Kinos?

Wir haben zuerst einmal keine eigenen Kosten. Ein Teil von 75 Prozent des Erlöses aus den Eintrittsgeldern geht an unifilm.de. Dafür kosten uns die Lizenzen nichts. Die Lizenz eines großen Blockbusters würde ansonsten über 200 Euro kosten. Diese Summen müssten wir dann auch wieder einnehmen. Das ist bei einem Ticketpreis von einem Euro aber ein eher schwieriges Unterfangen. Im Vergleich sind wir damit auch eines der günstigen Uni-Kinos. An anderen Unis kosten Tickets bis zu 2,00€. Außerdem werden an größeren Standorten deutlich mehr Zuschauer erwartet und die Einnahmen für das Netzwerk fallen dadurch größer aus. Somit ist der reibungslose Lizenzeinkauf für das ganze Netzwerk erst möglich. Denn auch für die Versicherung und die Printmedien müssen wir keine Kosten tragen. Diese bekommen wir von unifilm.de gestellt und wir können uns daraus die passende Variante aussuchen. Dazu kommen Tickets, Programmhefte, Flyer und mehr. Einzig und allein den Druck der größeren Plakate einzelner Vorstellungen am Plotter müssen wir eigenständig tragen. Die Snacks kaufen wir vom AStA selbst mit den Geldern der Studierendenschaft ein und dort fließen auch die Einnahmen des Snackverkaufs wieder hin. Wir erzielen immer einen geringen Gewinn. Den benötigen wir dann für anfallende Reparaturen der Popcorn-Maschine, der Technik oder ähnlichem, sowie auch dem erneuten Snack- und Getränkeeinkauf, damit sich das Kino auf lange Sicht refinanzieren kann.

Etwa achtzig Zuschauer kamen zur letzten Vorstellung zusammen. Erst kürzlich fand nämlich als Winter-Special wieder eine Vorführung des Filmklassikers „Die Feuerzangenbowle“ von 1944 in den Reihen des Hochschulkinos statt. Dabei handelte es sich nicht bloß um den einfachen Kinogenuss. Es wurde auch zum Mitmachen aufgefordert. Ganz bestimmte Gegenstände fanden Gebrauch, darunter Taschenlampe, Klingel und Knicklicht. Diese Dinge sind essentiell für das Erlebnis und wurden daher zuvor fleißig verteilt. Lief dann erst einmal der Film, wurde dem Zuschauer kaum eine Pause gegönnt. Da der Film als Klassiker unter den Zuschauern gilt, sind die Charaktere beliebt und ihre Macken und Ticks bereits wohl bekannt. Daher wurden den Zuschauern, ähnlich wie bei einem Trinkspiel, zu einigen bestimmten Ereignissen Aufgaben zugeteilt. War etwa der Wecker des Protagonisten Johannes Pfeiffer im Film zu hören, war jeder im Saal dazu angehalten, lautstark die eigene Klingel zu bedienen. Setzte hingegen die Figur des Ackermann dazu an, mit seinem Wissen zu prahlen, wie man es eben von ihm kennt, riefen alle im Chor „Ackermann!“. Auch Feuerzangenbowle wurde natürlich passend zum Filmtitel sowie der kühlen Jahreszeit frisch zubereitet und angeboten. In Zukunft, so Alexander, soll es solche Specials gerne öfter geben. „Die Feuerzangenbowle“ sei immer ein Highlight und ein passendes Sommer-Special kann er sich sehr gut vorstellen.

Am 18. Dezember lief mit „Pirates of the Caribbean – Salazars Rache“ die letzte Vorführung der Saison und das neue Programm des nächsten Semesters wird definitiv kommen.

Autor: Dominik Mühlena

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