„Wir möchten, dass Familien im Hochschulalltag zur Normalität werden“

„Wir möchten, dass Familien im Hochschulalltag zur Normalität werden“

Die Jade Hochschule wurde zum dritten Mal als familiengerechte Hochschule ausgezeichnet. „Das Zertifikat wird alle drei Jahre von „berufundfamilie“ gemeinsam mit der Hertie-Stiftung verliehen und bestätigt einen systematischen Prozess, um den gesamten Hochschulalltag familienfreundlicher zu gestalten“, so die zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Jade Hochschule Dörte Schneider. Dabei betont sie, dass man beim Thema Familie nicht nur Studierende oder Mitarbeitende mit Kindern im Blick habe. Auch Personen, die etwa pflegebedürftige Angehörige versorgen, sollen unterstützt werden. „Denn Familie ist ganz viel!“, sagt Dörte Schneider.

Betroffene werden in das Zertifizierungsverfahren einbezogen

„Das Zertifikat zu erhalten ist ein aufwendiger Prozess“, erklärt sie weiter. Sogenannte Auditoren besuchen kostenpflichtig die Hochschule und schauen sich genau an, was bereits für Familien angeboten wird und welche Maßnahmen noch gebraucht werden. Anschließend wird eine Zielvereinbarung verfasst, in der festgelegt wird, was die Jade Hochschule in der Zukunft erreichen möchte. Um dann drei Jahre später erneut ausgezeichnet zu werden, muss nachgewiesen werden, dass an den vereinbarten Zielen gearbeitet wurde und wirklich etwas passiert ist. „Dadurch verhindern wir, dass es zu einem Stillstand kommt, weil die Hochschule sich selbst dazu verpflichtet hat, sich immer weiter zu verbessern“, sagt Marie Fischer, Referentin für Gender Mainstreaming und Familie der Jade Hochschule.

Christian Belculfine, Referent für Gleichstellung des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), war bei diesem Prozess dabei. Er freut sich, dass die Kritik, die er und andere Beteiligten geäußert haben, Eingang in die Vereinbarung gefunden hat: „Ein Problem vieler Studierenden mit Kindern sind beispielsweise die Öffnungszeiten der Kita in Wilhelmshaven. Die Vorlesungen gehen bis 19.15 Uhr, aber die Kinderbetreuung endet schon viel früher um 16.00 Uhr. Darum ist es wichtig, dass in der Zielvereinbarung beschlossen wurde, die Öffnungszeiten auszuweiten.“

Viele Ideen für eine familienfreundlichere Zukunft

Die Gleichstellungsstelle möchte in Zukunft außerdem eine ganze Reihe von weiteren Ideen umsetzen, um die Hochschule noch familienfreundlicher zu gestalten. Zum einen ist eine Austauschplattform für Betroffene geplant, um ihnen so eine Möglichkeit zu bieten sich zu vernetzten. Zum anderen soll eine „Eltern-Card“ eingeführt werden. Sie dient Studierenden mit Kindern dann als Schlüsselkarte für beispielsweise Still- sowie Eltern-Kind-Arbeitsräume und erleichtert die Formalitäten. Außerdem sollen flexible Kinderbetreuungsangebote geschaffen werden, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte.
So wollen Dörte Schneider und ihre Mitarbeiterinnen in der Gleichstellungsstelle unter anderem für mehr Offenheit sorgen: „Wir möchten, dass Familien im Hochschulalltag zur Normalität werden“. Auch Marie Fischer ist es wichtig, dass der Wandel in den Köpfen der Menschen ankommt: „Leider kämpfen wir immer noch gegen eine Menge Klischees“.

Autor: Justine Prüne

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