Wenig Platz für ein entspanntes Arbeiten

Wenig Platz für ein entspanntes Arbeiten

Till de Buhr (30) macht aktuell seinen Master in Architektur an der Jade Hochschule in Oldenburg. Neben dem Studium arbeitet er für die Hochschule in der Verwaltung und ist dort zuständig für die Arbeitsplatzverteilung. In einem Interview berichtet er über die Situation der Architekturstudenten an der Jade Hochschule in Oldenburg und welche zentrale Rolle dabei die Arbeitsplätze einnehmen.

 

 jade.impuls: Wie sieht genau deine Tätigkeit aus?                                             

Till de Buhr: Ich bin an der Jade Hochschule zuständig für die Verteilung Plätze in den Arbeitsräumen. Die dazugehörigen Plätze werden immer zum Wintersemester vergeben. Das heißt, ich hänge hier eine Liste auf und die Studierenden können sich eintragen. Da allerdings die Plätze begrenzt sind, muss am Ende gelost werden. Wichtig ist, dass Arbeitsräume nicht nur als Ablagefläche für persönliche Sachen genutzt werden, sondern dass dort wirklich gearbeitet werden soll. Wenn ich bei den wöchentlichen Kontrollen das Gefühl habe, dass der Raum von einer Person nicht genutzt wird, dann wird der Arbeitsplatz für den Nachrücker vergeben.

jade.impuls: Wie sehen diese Arbeitsplätze aus?                                           

Till: Man hat in den Arbeitsräumen eine gewisse Privatsphäre. Jeder hat hier seinen eigenen PC und ein Schließfach für seine persönlichen Sachen. Außerdem arbeitet man auch oft gemeinsam an Projekten oder tauscht sich über Studieninhalte aus. Es ist sehr praktisch, dass man seine ganzen Modelle und Pläne hierlassen kann und nicht ständig mit dem Rad transportieren muss. Die Arbeitsplätze können dank der Schlüsselchips rund um die Uhr benutzt werden. Insgesamt gibt es im Zentralarchitektur-Gebäude (ZA-Gebäude) neun Arbeitsräume für 55 Personen und im Hauptgebäude einen großen Arbeitsraum für ganze 26 Personen. Wie man an der Anzahl sieht, sind die Arbeitsräume unterschiedlich groß und zum Teil ziemlich überlastet. Vor allem der große Raum im Hauptgebäude.

jade.impuls: Haben andere Studiengänge auch ihre eigenen Arbeitsplätze? 

Till: Die Arbeitsplätze gibt es nur für die Architekturstudenten hier an der Hochschule in Oldenburg. Für alle anderen Studiengänge gibt es zwei große Arbeitsräume und zwei Poolräume, die aber auch meiner Meinung nach ausreichen. Denn in keinen anderen Studiengängen besteht Notwendigkeit an eigenen Arbeitsplätzen wie bei uns. Allerdings sind wir rund 500 Architekturstudierende und haben lediglich 81 Arbeitsplätze. Aus diesem Grund können sich die Studenten auch erst ab dem dritten Semester für einen Arbeitsplatz bewerben. Im Vergleich dazu gibt es in Architekturstudiengängen an anderen Hochschulen oft sogar jeweils einen Arbeitsplatz pro Student.

jade.impuls: Seit wann gibt es dieses Problem mit der Knappheit an Arbeitsplätzen?

Till: Die Arbeitsplätze gibt es seit zehn Jahren. Allerdings war damals der Fachbereich Architektur auch deutlich kleiner und saß noch im Hauptgebäude. Jetzt sind wir im ZA-Gebäude, zusammen mit Archäologie und Denkmalpflege, und haben noch den großen Arbeitsraum im Hauptgebäude. Früher gab es etwa 60 Studenten pro Semester und jetzt sind es um die 180. Die Anzahl an Arbeitsräumen ist aber gleichgeblieben.

jade.impuls: Gab es in der Vergangenheit oder aktuell irgendwelche Gegenmaßnahmen für dieses Problem?

Till: Es gab früher eine Bewegung namens „Freiraum“, die von meinem Vorgänger angeleitet wurde. Damals haben sie versucht, das freistehende Gebäude von der alten Feuerwehrwache direkt gegenüber zu erwerben und dort weitere Arbeitsplätze unterzubringen. Tatsächlich hat die Hochschule das Gebäude später erworben, aber bisher steht immer noch nicht fest, ob dort Arbeitsplätze oder ein neuer Fachbereich reinkommen.

jade.impuls: Gibt es für euch eine Möglichkeit, Arbeitsplätze in anderen Gebäuden zu bekommen?

Till: Leider nein. Wenn zum Beispiel Sitzungen der Berufskommission anstehen, dann gibt es sogar schon Probleme genügend Räume zu finden. Daran sieht man, wie knapp die Anzahl an Räumen auch in anderen Gebäuden ist. Auch wenn der Fachbereich versucht, vieles für uns zu machen, sind den Verantwortlichen bei dem Problem die Hände gebunden.

 

 

jade.impuls: Inwieweit spielt der finanzielle Aspekt eine Rolle?

Till: Ich denke, es spielt eine große Rolle. Denn die Räume müssen ja entweder gebaut oder eingerichtet werden. Wir arbeiten mit spezieller Software und dafür braucht man einen leistungsstarken Rechner und auch die Werkzeuge für die ganzen Modelle. Und das alles kostet natürlich Geld. Es kann ja auch sein, dass dem Präsidium auch gar nicht bekannt ist, dass diese Knappheit an Arbeitsplätzen bei uns besteht. Denn seit der „Freiraum“-Bewegung vor zehn Jahren ist nichts mehr passiert.

jade.impuls: Also spielt dieses Problem eher eine untergeordnete Rolle für die Jade Hochschule in Oldenburg?

Till: Ganz genau kann ich das natürlich nicht sagen. Aber die Vermutung liegt nahe, dass dieses Problem keine hohe Priorität bei der Hochschule hat. Nicht falsch verstehen, unser Studiengang genießt hier in Oldenburg viele Vorzüge und uns wird viel angeboten. Wir haben hier eine gute Ausstattung mit einem Laser, einer Werkstatt, einer Fräse und einem Plot-Service. Auch von unserem Fachbereich kriegen wir Unterstützung und haben hier ohnehin eine familiäre Atmosphäre. Das einzig große Problem für uns sind halt die Arbeitsplätze, die ständig für Unzufriedenheit bei Studenten sorgen. Kein Wunder, wenn man zum Beispiel zu siebt in einem Raum sitzt, der eigentlich für vier Personen geeignet ist.

jade.impuls: Hast du selbst eine Idee, wie man das Problem lösen könnte?

Till: Das Gebäude von der alten Feuerwehrwache wäre prädestiniert dafür, muss ich ehrlich sagen. Auch wäre eine Möglichkeit, die Seminarräume, die nach 18 Uhr nicht mehr genutzt werden, arbeitsgerecht auszustatten, sodass man danach noch dort arbeiten könnte. Meines Wissens haben die Studierenden allerdings keine Befugnis, diese Räume zu nutzen. Wäre dies möglich, könnte man natürlich die Problematik lösen. Eine weitere Alternative wäre der Dachboden hier im ZA-Gebäude, der nur zum Teil genutzt wird. Das heißt, genügend Platz für weitere Arbeitsräume wäre theoretisch da.

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