Urban Gardening meets Wilhelmshaven

Urban Gardening meets Wilhelmshaven

Grün, grün, grün ist alles, was ich mag. Ob das wirklich auf Richard Düwel (21) so zutrifft, kann die jade.impuls noch nicht sagen. Den grünen Daumen hat der Maschinenbau-Student aus Wilhelmshaven aber zweifellos. Alles über sein großes Herz für Pflanzen und wieso es sich gerade bei Studierenden lohnt, sich in Sachen Inneneinrichtung Mühe zu geben, im folgenden jade.impuls-Interview.

jade.impuls: Moin, Richard! Seit wann lebst du in deiner WG in Wilhelmshaven und mit wem wohnst du zusammen?

Richard: Moin! Ich bin im März 2017 für mein Studium nach Wilhelmshaven gezogen. Meine WG ist jedoch seit März dieses Jahres in einer neuen Wohnung, da wir die ursprüngliche für das Praxissemester aufgegeben haben. Ich wohne jetzt mit meinen Kommilitonen Jan und Christoph in Hochschulnähe zusammen.

jade.impuls: Wie viele Pflanzen hast du in deinem Zimmer bzw. in eurer Wohnung verteilt?

Richard: Zurzeit habe ich zum Großteil Zimmerpflanzen. In Zahlen sind das dann sieben Stück. Zeitgleich ziehen Jan und ich in seinem WG-Zimmer noch weitere Avocado-Setzlinge. Mein Highlight ist jedoch ein einjähriger Avocado-Baum.

jade.impuls: Wann hat dein Interesse für die Gartenarbeit in den eigenen vier Wänden begonnen?

Richard: Ich mochte schon immer das Grüne, da es, ob im Garten oder in der Wohnung, den Raum irgendwie belebter und gemütlicher wirken lässt. Ich komme ursprünglich aus einem kleinen Ort bei Schwerin. Meine Eltern haben dort auch einen großen Garten, wo sie Früchte und Gemüse für unsere Familie anbauen. Das habe ich von zu Hause quasi mitbekommen. Seitdem ich studiere, hatte ich in jeder meiner Studi-WGs Pflanzen. Der Wunsch, selbst etwas gezielt anzubauen, kam mir jedoch erst letztes Jahr beim Paprikaschneiden. Als ich den Strunk und die Samen herausnahm, dachte ich mir: „Das kann man doch bestimmt auch selbst machen.“

jade.impuls: Und konntest du dein Paprika-Projekt in die Tat umsetzen?

Richard: Nein. Die Paprikas sind erst im Spätsommer reif. Aber alles gedeiht sehr gut (lacht).

jade.impuls: Hinter eurem Haus befindet sich ja eine Art „Garten“, den ihr benutzen könnt. Jedoch ohne richtiges Beet. Wie nutzt du diese Fläche und würdest du dir manchmal einen richtigen Garten wünschen?

Richard: Hinter dem Haus haben wir eine kleine Grünfläche, die nicht bepflanzt werden soll. Wir haben dort an die Hauswand die Töpfe aus der Wohnung gestellt. Das sind hauptsächlich Küchenkräuter, aber auch mehrere Walnussbäume, die ich dieses Jahr gesetzt habe. An die Wand habe ich zudem ein kleines vertikales Beet gebaut. Nötig waren dazu lediglich zwei Europaletten, Schrauben und Pflanzenerde. Dort haben wir auf den zwei unteren Stufen Kopfsalat ausgesät. Auf der obersten Etage finden circa zwölf Paprika- und zwei Tomatenpflanzen Platz. Die vertikale Bepflanzung ist hier optimal, da sie sehr platzsparend ist!
Ich wünsche mir auf jeden Fall zukünftig einen eigenen Garten. Ich möchte später auch wieder ländlicher wohnen und viel Platz haben. Mein Ziel ist es, möglichst autark zu leben und gleichzeitig möglichst wenig Aufwand zu betreiben.

 

jade.impuls: „Urban Gardening“ ist quasi der hippe Begriff für die Bepflanzung städtischer Flächen. Sprich für Menschen, die keinen wirklichen Garten haben. Was hältst du von diesem Lifestyle-Trend?

Richard: Den Trend finde ich ziemlich cool! Deswegen mach ich es auch selbst. Ich meine, fast jeder hat in seiner Küche frischen Basilikum aus dem Supermarkt stehen. Wieso nicht noch einige Küchenkräuter anbauen? Die nehmen allgemein wenig Platz weg und sind deswegen optimal für jede Wohnung. Darüber hinaus schmecken die Kräuter viel intensiver als die Tiefkühl-Variante.

jade.impuls: Nur wenige Studierende würden wohl behaupten, einen „grünen Daumen“ zu haben. Welche Tipps kannst du ihnen geben mehr Bepflanzung in der WG?

Richard: Ich denke, für Zimmerpflanzen findet man in jeder Wohnung einen Ort. Besonders wichtig hier ist, dass die Pflanzen genügend Tageslicht abbekommen und nicht zu viel gegossen werden. Einmal pro Woche um 180° drehen bewirkt zudem, dass sie nicht schief wachsen. Bei Küchenkräutern und Gemüsepflanzen sollte man zuerst schauen, wie viel Platz man zur Verfügung hat.
Für Gemüsepflanzen und einige Kräutersorten ist es deutlich besser, wenn sie ab einer bestimmten Größe draußen gehalten werden. Dadurch werden die Pflanzen an sich stärker. Sprich, sie werden stabiler im Halm, da die Bedingungen draußen ein wenig rauer sind als in der Wohnung. Wer Lust hat, Salat und Gemüse anzupflanzen, sollte vorher auf der Verpackung schauen, wann und wie die Saat in die Erde gebracht werden muss. Hält man sich an diese Vorgaben, sind die Erfolgschancen ziemlich hoch.

jade.impuls: Neben dem ganzen Grün sieht man in eurer WG viel Do-It-Yourself-Gegenstände, wie die Gewürzregale aus alten Europaletten in Eurer Küche. Wie kommt ihr auf solche Ideen und wer übernimmt da welche Aufgaben?

Richard: Erst einmal basteln wir alle drei gerne. Wenn wir etwas selbst überlegen, es zusammenbauen und es dann später auch noch funktioniert, macht uns das ziemlich stolz. Ein aktuelles Beispiel ist auch unser Handtuchhalter und die Führung für den Duschvorhang. Diese haben wir selbst aus Kupferrohren und Fittingen, das sind passgenaue Zubehörteile aus Metall, zusammengesteckt und genietet. Dadurch hat das Bad gleich viel mehr Stil. Ein cooler Nebeneffekt war dort auch, dass alle Bauteile insgesamt sogar günstiger waren als die Fertigvariante aus dem Baumarkt.

jade.impuls: „Das lohnt sich doch gar nicht, die WG aufzuhübschen. Als Studierender zieht man doch eh bald wieder aus“. Welche Meinung hast du zu dieser Ansicht?

Richard: Vor unserem Einzug in die neue Wohnung haben wir genauso gedacht. Jetzt steht schon bald unser letztes Semester und dann die Bachelorarbeit vor der Tür. Sprich, die Zeit in Wilhelmshaven wird immer absehbarer. Ich finde aber, dass man auch in kurzen Lebensabschnitten seine Umgebung so gestalten sollte, dass man sich dort wohlfühlt. Es bringt aus meiner Sicht nicht sehr viel, wenn man nur eine „Zweckwohnung“ hat.

jade.impuls: Hast du nächste Projekte für deinen „Urban Jungle“ bzw. für die WG-Inneneinrichtung?

Richard: Im Herbst werde ich mich um meinen kleinen Garten hier in Wilhelmshaven kümmern. In der Zwischenzeit werden wir noch die neuen Avocado-Setzlinge eintopfen. Für die WG-Inneneinrichtung haben wir derzeit keine Pläne, aber die kommen meistens auch spontan beim Bierchen.

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