Und täglich grüßt der volle Bus – oder doch nicht?

Und täglich grüßt der volle Bus – oder doch nicht?

Laut einer Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) nutzten im Jahr 2018 über 50 Prozent aller Studierenden in Deutschland den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), das heißt Bus oder Bahn, auf dem Weg zur Hochschule. Das funktioniert aber nicht immer problemlos. Ein Blick auf die drei Studienorte Wilhelmshaven, Oldenburg und Elsfleth.

Wilhelmshaven

Während sich Studierende an vielen Unis über überfüllte Hörsäle ärgern, sind es an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven die Busse. Besonders zu den Stoßzeiten morgens und nachmittags sind die Busse Richtung Hochschule regelmäßig viel zu voll. Der Grund: Oft fahren Studierende gemeinsam mit Schülern im Bus. Schon nach wenigen Haltestellen geht gar nichts mehr. Die Folge: Genervte Schüler und Studierende, aber auch Busfahrer.

Ansagen wie „Bitte bis zum Ende durchgehen“ oder „Bitte die Türen frei machen“ klingen in den Ohren vieler Studierender nur allzu bekannt. Die Engpässe haben aber auch Auswirkungen auf alle anderen Fahrgäste. Wer mit dem Kinderwagen, Rollator oder im Rollstuhl mitfahren will, hat oftmals gar keine Chance, in die viel zu vollen Busse zu kommen. An vielen Haltestellen herrscht das Recht der Stärkeren.

„Mich nervt das Busfahren, gerade wenn die Schule anfängt oder zu Ende ist. Dann sind die Busse immer hoffnungslos überfüllt mit den ganzen Schülern“, sagt Phillip Niggemann, Tourismuswirtschaft-Student in Wilhelmshaven. Durch die 20-Minuten-Taktung der Busse gibt es kaum Alternativen auf dem Weg Richtung Hochschule. Nach der Studie des CHE nutzten 76 Prozent der Studierenden in Wilhelmshaven im Jahr 2018 den ÖPNV auf dem Weg zur Hochschule. Volle Busse sind da vorprogrammiert.

Im kommenden Semester steigt der Preis für das Semesterticket. Argumentiert wurde unter anderem mit Angebotsverbesserungen und -ausweitungen. Darauf hoffen auch viele Studierende. „Es wäre schön, wenn die Taktung der Busse geändert werden würde. Gerade nach dem sechsten Block um halb acht muss man ewig warten, um Richtung Innenstadt zu kommen“, sagt Phillip. „Ein Anfang wären aber erst einmal nicht so überfüllte Busse.“

Ob es dazu kommt?  Auf Anfrage der jade.impuls wollte die Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven, die für den Busverkehr in der Jadestadt zuständig ist, keine Stellung zu dieser und weiteren Fragen nehmen. So blieb auch die Frage offen, warum zu den Stoßzeiten keine Extrabusse eingesetzt werden.

Oldenburg

Ein Vorbild dafür könnte Oldenburg sein. Auch hier fahren viele Studierende mit dem Bus zur Jade Hochschule oder Universität. 31,5 Prozent der Oldenburger Studierenden nutzten nach der CHE-Studie 2018 den ÖPNV auf dem Weg zur Hochschule. Allerdings mit deutlich weniger Problemen, als in Wilhelmshaven: „So extrem ist es nicht bei uns. Manchmal ist es schon voll, aber es gibt dann zum eigentlichen Bus zur Uni, Hochschule oder auch Schule noch einen zweiten Extrabus“, sagt Rojhat Özdemir, der an der Jade Hochschule in Oldenburg Bauwirtschaftingenieurwesen studiert. „Die normale Buslinie und die E-Linie fahren dann zusammen ab. Das entspannt die Situation“, so Rojhat weiter.

Diese Art von Entlastung gebe es in Oldenburg schon lange, erklärt Morell Predoehl, Abteilungsleiter für Marketing und Vertrieb der Verkehr und Wasser GmbH Oldenburg (VWG). „Zu bestimmten Zeiten ist die Fahrgastnachfrage so groß, dass wir bedarfsabhängig Extrabusse einsetzen. Diese fahren dann als sogenannte E-Wagen. Für diesen Zweck haben wir fünf Ersatzfahrzeuge. Sie werden immer dann eingesetzt, wenn es irgendwo zu Engpässen kommt“, sagt er.

Durch diesen bedarfsabhängigen Einsatz seien die E-Wagen nicht im Fahrplan aufgeführt. Oft verkehren die Extralinien aber auf der Strecke zwischen Universität und Bahnhof. „In den Semesterferien gibt es diese Linien dann in der Regel nicht“, so Predoehl. Zusätzlich zum bedarfsbedingten Einsatz gibt es aber auch in den Fahrplänen der VWG eingetragene Busse, die nur an den Vorlesungstagen der Universität Oldenburg verkehren und so die Busse besonders zu den Stoßzeiten entlasten.

Elsfleth

Ein Blick nach Elsfleth zeigt, dass es auch ganz ohne Bus gehen kann. „Der Busverkehr hat hier in Elsfleht eigentlich kaum eine Relevanz“, erklärt Cynthia Wolter, die an der Jade Hochschule in Elsfleth Nautik studiert. „Wenn man nicht in Elsfleth wohnt, kommt man mit dem Zug zur Hochschule. Wer hier wohnt, läuft zu Fuß oder fährt mit dem Rad.“

Das bestätigt auch die Studie des CHE. Während es für die Nutzung des ÖPNV für Elsflether Studierende keine Zahlen gibt, schafft es der Standort der Jade Hochschule in die Top-10-Orte in der Kategorie „zu Fuß“. 72,7 Prozent der befragten traten den Weg zur Hochschule 2018 zu Fuß an. „Busse fahren hier, soweit ich weiß, alle paar Stunden direkt nach Oldenburg. Aber selbst dafür nutzt man eher ein eigenes Auto oder die Züge über Hude“, sagt sie. Ein Vorteil des kleinen Studienorts Elsfleth.

Vielleicht können sich auch Studierende in Wilhelmshaven zukünftig über Angebotsverbesserungen und eine entspanntere Fahrt Richtung Hochschule freuen.
Ein Vorbild für mögliche Veränderungen gibt es dafür ja in Oldenburg.

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