Typisch Norddeutsch – Der etwas „andere“ Teil von Deutschland

Typisch Norddeutsch – Der etwas „andere“ Teil von Deutschland

An der Nordseeküste studieren und nichts von Norddeutschland wissen? Das geht gar nicht! Wir von der jade.impuls schaffen Abhilfe und stellen euch eine kleine Auswahl an norddeutschen Bräuchen vor.

Boßeln

Von Kegeln, Boccia oder Bowling hat wahrscheinlich jeder schon einmal etwas gehört. Aber wie sieht es mit der friesischen Sportart Boßeln aus?

Ein Duell, vier gegen vier, auf einer Landstraße. Die Regeln sind so einfach wie das Boßeln selbst: Zwei oder vier Teams treten gegeneinander an und versuchen, mit möglichst wenig Würfen ans Ziel zu kommen. Geworfen wird mit einer kleinen Kugel aus Hartholz, die mit Blei gefüllt ist. Je nach Altersklasse unterscheidet sich die Kugel in Größe und Gewicht. Das erste Team, das am Ziel ankommt, hat gewonnen.

Mit etwas Übung ist sogar eine große Karriere möglich. Das Boßeln ist eine anerkannte Sportart und angefangen in der Kreisklasse, kann man bis zur ranghöchsten Liga Karriere machen. Aber wehe dem, der die Kugel im Straßengraben versenkt!

In den sechziger Jahren waren lange Unterhosen und Wollsocken Sportbekleidung beim Boßeln, aber für die modebewussten Studierenden unter euch sollte normale Kleidung kein Hindernis auf dem Weg an die Boßel-Spitze sein. Also ran an die Kugeln – Und wie heißt es immer so schön: Probieren geht über Studieren.

Kohltour

Wenn der erste Frost vorüber ist, zieht es den Norddeutschen, mit Freunden, Bollerwagen und Schnaps bewaffnet, in die Natur. Was sich im ersten Moment für den einen oder anderen etwas verrückt anhört, ist für den Norddeutschen eine wichtige jährliche Tradition.

Aber eine Kohltour ohne Ziel wäre keine richtige Kohltour. Meist führt der Weg zu einem traditionellen Gasthof, in dem Grünkohl mit Kassler und Pinkel auf einen warten. Daher auch der Name „Kohltour“ oder auch „Grünkohltour“. Aber auf dem Weg zum Kohltour-Highlight soll es nicht langweilig werden und so werden verschiedene Spiele auf dem Weg über die verlassenen Felder gespielt. Vom zuvor genannten Boßeln bis Sackhüpfen oder Teebeutel-Weitwurf ist alles erlaubt, was Spaß macht.

Und aufgepasst: Einige Titel kann man sich nur im Laufe der Zeit verdienen – so auch in Oldenburg. Liebe Oldenburger Studis: Ihr seid Kohltourhauptstädter! Nirgends gibt es so viel über Grünkohl zu lernen wie bei euch. Also wer noch nicht im Lernstress ist, sollte sich in die Grünkohl-Akademie in Oldenburg einschreiben und viel über die norddeutsche Lebensart lernen. So ist euch ein Abschluss schon sicher!

Klinkenputzen und Fegen

Du feierst bald den 30. Geburtstag und bist ledig, dann bezieht sich der nächste Brauch auf dich:

Zum 30. Geburtstag müssen sich die Männer unter euch mit einem Besen bewaffnen und die Domtreppen oder die Treppen vor einer Kirche so lange fegen, bis eine Jungfrau kommt und euch küsst. – Warum? Das lässt sich nicht genau sagen, da der Brauch aus den 19. Jahrhundert stammt und nur mündlich weitergegeben wurde. Aber der Volksglaube war damals, dass Menschen nach ihrem Tod im Jenseits zur unnötigen Arbeit verdonnert wurden, wenn sie zu Lebenszeiten keine Kinder bekommen haben. Das sollte unverheiratete Leute dazu bringen, sich zu vermählen.

Ihren Ursprung hat der Brauch in Bremen, wo die Domtreppen gefegt werden mussten. Im Laufe der Zeit hat sich dieser in fast ganz Norddeutschland verbreitet.

Aber nicht nur die Männer müssen einem Brauch am 30. Geburtstag nachgehen. Im Verlauf der Jahre entwickelte sich eine weibliche Variante, das Klinkenputzen. Eine ledige Frau muss an ihrem 30. Geburtstag die Klinken einer Domtür oder einer Kirche putzen, die vorher mit verschiedenen Substanzen eingeschmiert wurde.

Welcher Student hat schon Lust zu putzen? Schnappt euch den richtigen Partner, bevor ihr 30 werdet!

Kränzen

Wenn es mit der Suche nach dem richtigen Partner geklappt hat und geheiratet werden soll, dann kommt ein Brauch auf euch zu, der ausnahmsweise mit wenig Arbeit verbunden ist. Dafür haben eure Nachbarn mehr zu tun:

In Norddeutschland ist es üblich, dass zur Hochzeit ein Kranz aus Zweigen geformt wird. Dabei wird dieser von den männlichen Nachbarn gebunden und die weiblichen Nachbarn müssen Rosen und Schleifen aus Papier anfertigen und anbringen. Am Vorabend der Hochzeit wird dieser dann von den Männern über der Hauseingangstür des Brautpaares angebracht.

Aber Achtung: Wenn die Nachbarn dem Brautpaar eine leere Flasche mit einem vertrockneten Tannenzweig überreichen, ist das die Aufforderung, Getränke für die Kranzbinder zu besorgen. Also ganz ohne Arbeit geht ein norddeutscher Brauch natürlich nicht.

Ihr merkt: Norddeutsche Bräuche können schon etwas speziell sein. Aber um euren Wohnort zur Heimat zu machen, gehört nun mal ein gutes norddeutsches Allgemeinwissen dazu und jetzt seid ihr gut damit ausgestattet.

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