Technologie auf einem neuen Level

Technologie auf einem neuen Level

Studenten der Jade Hochschule Wilhelmshaven bauen eigenen 3D-Drucker

Es ist vermutlich der Traum eines jeden Menschen, Gegenstände, die man am Computer sieht, bequem und ohne dafür das Haus zu verlassen, wenige Zeit später in der Hand zu halten. Die Technik des 3D-Drucks gibt es an der Jade Hochschule Wilhelmshaven bereits seit über 15 Jahren. Doch nun haben mehrere Studenten der Hochschule einen 3D-Drucker selber gebaut.

Cedrik Theesen studiert Maschinenbau an der Jade Hochschule. Er hat zusammen mit zehn anderen Studenten am Bau des Druckers gearbeitet und mit ihnen eine Menge Zeit in das Projekt investiert. „Das Projekt läuft jetzt seit fast zwei Jahren. Aber auch von den Arbeitsstunden her saßen wir da echt lange dran“, so Cedrik.

Doch was genau macht so ein 3D-Drucker eigentlich? Cedriks erste, scherzhafte Antwort auf diese Frage ist genauso einfach wie offensichtlich: „Naja, er druckt Sachen in 3D.“ Klingt einfach, ist in der Praxis allerdings komplizierter. Den Drucker muss man sich vorstellen wie eine große computergesteuerte Heißklebepistole, die Konturen so lange aufschichtet, bis letztlich ein dreidimensionales Objekt dabei herauskommt. „Man kann Sachen dadurch sehr schnell herstellen, also vor allem Einzelteile oder Prototypenteile“, sagt Cedrik, fügt aber hinzu, dass sich ein 3D-Drucker nicht für eine Serienproduktion eigne. „Wenn du aber mal ein Teil entwickelt hast und es in einer Stunde haben willst, nur um dir das anzugucken, ist ein 3D-Drucker dafür am besten geeignet.“

Ein so technologisch anspruchsvolles Gerät hat natürlich auch seinen Preis. So können Profigeräte schon mal zwischen 10.000 und 30.000 Euro kosten. Sich einen Drucker selber zu bauen, ist die kostengünstigere Variante. Unterstützung bietet da das OpenSource-Communitiy-Projekt RepRap, das auch die Studenten an der Jade Hochschule verwendet haben. Hier kann jeder, der Lust hat, seine Ideen einbringen und anderen zur Verfügung stellen. Von bereits fertig programmierten Firmwares bis zu groben Modellen kann sich jeder hier die Bausteine für einen 3D-Drucker zusammensetzen. Cedrik erklärt außerdem eine weitere Besonderheit dieser RepRap-Drucker: „Das witzige daran ist, dass der Drucker selber zu 50 Prozent aus gedruckten Teilen besteht. Er druckt sich quasi selbst.“ Dennoch ist auch der neue 3D-Drucker der Hochschule nicht besonders günstig. Nach Cedriks Schätzung hat der Drucker an sich knapp 5000 Euro gekostet. Unter den selbstgebauten Druckern ist dieser jedoch etwas Besonderes. „Er kann beinahe doppelt so große Teile drucken wie die eigentlichen selbstgebauten Drucker. Da sind schon sehr hochwertige Komponenten drin“, schwärmt Cedrik von dem Hightech-Gerät.

Doch einen 3D-Drucker nur zu bauen, ist nicht der einzige Inhalt des Projektes. Es ist nicht vergleichbar mit einem normalen Farbdrucker, den viele am eigenen Schreibtisch stehen haben, an dem man einen Farbtest macht, um zu testen, ob alles funktioniert und  der dann einfach losdruckt. Cedrik geht dabei sogar einen Schritt weiter: „Ich würde fast sagen, dass das Einstellen und die kleinen Fehler, die dann nach und nach kommen, mehr Zeit in Anspruch nehmen als der Bau an sich. Aber es macht einfach Spaß daran zu arbeiten.“ Es müssen also immer wieder neue Einstellungen getroffen werden, um den korrekten Betrieb des Druckers gewährleisten zu können.

An der Hochschule wird der Drucker bereits für ein konkretes Parallelprojekt eingesetzt, bei dem Gesichter eingescannt werden. Mit dem Zusammenspiel von Beamern, Kameras und verschiedenen Computerprogrammen wird am Ende eine Büste des eingescannten Gesichtes mit Hilfe des 3D-Druckers erstellt.

Fertig ist der Drucker aber noch nicht. In Zukunft sollen noch Kameras und Feuermelder zur Überwachung an den Drucker angebracht werden, denn wirklich ungefährlich ist ein 3D-Druck nicht: „Der Druck einer Büste dauert teilweise zwei Tage und die Drüse wird dabei bis zu 200 Grad heiß. Dieser Vorgang sollte nicht alleine gelassen werden, man kann jedoch nicht die ganze Zeit danebenstehen“, erklärt Cedrik.

Der Maschinenbaustudent sieht auch für zukünftige Teilnehmer des Projekts genug Arbeit: „Derr Drucker an sich ist ja selber noch nicht fertig. Der wird wahrscheinlich auch nie fertig sein, weil immer wieder neue Sachen eingestellt werden müssen.“

Der Bau des 3D-Druckers hebt den technologischen Stand der Jade Hochschule Wilhelmshaven auf ein neues Level und bringt viele neue Möglichkeiten mit sich. So könnten Ersatz- und Kleinteile zukünftig im eigenen Hause hergestellt und neue, technisch anspruchsvolle Projekte gestartet werden.

Autor des Artikels: Marvin Kesper

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