Studieren zwischen Hunte und Leuchte

Studieren zwischen Hunte und Leuchte

Ein kleiner Einblick in das Leben der Studierenden aus der 10.000-Einwohner-Stadt Elsfleth

Imposant hebt sich das Campus-Gebäude vom strahlend blauen Himmel ab. Gesprächsfetzen und Gelächter schallen über den Parkplatz. Es ist Mittagszeit und viele Studierende zieht es auf die Terrasse vor der Mensa, direkt am Ufer der Hunte.

„Ich fühle mich hier einfach wohl“, erzählt Alicia Stratmann, die an der Jade Hochschule in Elsfleth im zweiten Semester Internationales Logistikmanagement studiert. Elsfleth ist mit Abstand der kleinste der drei Studienorte der Jade Hochschule. Rund 700 Studierende belegen diverse Kurse in Bachelor- und Masterstudiengängen des Fachbereichs Seefahrt und Logistik. Trotz des übersichtlichen Campus gilt die Hochschule als größte maritime Hochschuleinrichtung ganz Westeuropas.

In der Mensa, die ungefähr die Maße eines etwas größeren Klassenzimmers hat, sitzt Alicia mit ihren Kommilitonen an einem langen Tisch zusammen. Es sind nicht nur Bekannte aus dem Studiengang, sondern gleichzeitig Freunde, Beerpongpartner und Mannschaftskollegen beim Hochschulsport Kutterpullen. „Hier ist nun mal nicht so viel los, also unternehmen wir viel gemeinsam“, bemerkt Alicia. Die Studis aus Elsfleth kommen überwiegend aus den nördlichen Regionen Deutschlands. Alicia stammt ursprünglichen aus dem kleinen Ort Scharmbeckstotel im Landkreis Osterholz, nahe Bremen. Sie ist das Leben in einer Kleinstadt gewohnt, ihre Kommilitonin Jody dagegen ist aus der Hafenstadt Hamburg nach Elsfleth gezogen. Trubel und der Überfluss an Ausgehmöglichkeiten und Veranstaltungen sind für sie selbstverständlich – was sie nicht kennt, ist das ländliche Leben in einer 10.000-Einwohner-Stadt. „Ohne die tollen Leute hier würde es für mich in Elsfleth nicht funktionieren“, verrät sie. Durch das Ausbleiben von öffentlichen Veranstaltungen trifft Alicia sich abends oft bei Freunden zu Hause. Hin und wieder statten sie auch der einzigen Kneipe Elsfleths einen Besuch ab. Die Gaststätte „Zum Leuchtfeuer“ ist in den Reihen der Elsflether allgemein bekannt und hochgeschätzt. Direkt gegenüber des Hochschulgebäudes an der Weserstraße befindet sich der Eingang zu Kneipe. Altertümliche Lampen und eine schäbige Leuchtreklame laden auf einen Drink ein. Von außen sieht die Kneipe aus, als würde gleich ein waschechter Seemann aus der Tür spazieren. „Der beste Ort zum Tischkickern“, beschreibt Alicia die „Leuchte“.

Elsfleth zählt nicht gerade zu den Metropolen Deutschlands. Kleine Straßen, Kopfsteinpflaster und Dreißigerzonen prägen das Stadtbild. Hier ein Supermarkt und dort eine Dönerbude. Die Hochschule und das moderne Studentenwohnheim direkt gegenüber stechen architektonisch heraus.

Der Studienort profitiert von kleinen Kursen und interaktivem Unterricht in Räumen, die eher an Klassenzimmer als an Vorlesungssäle erinnern. Alicias Semester umfasst gerade mal rund 25 Studierende. Während der Kostenleistungs-rechnungs-Vorlesung nehmen sie und ihre Kommilitonen vier Tischreihen ein, ein paar Studis aus höheren Semestern sitzen auf der anderen Seite. Insgesamt sind nicht mal 30 Personen anwesend. Zusammen werden Aufgabenblätter bearbeitet und besprochen. Die kleinen Kurse ermöglichen es, dass Lehrkraft und Studierende eng zusammenarbeiten können, genauso wie die Kommilitonen untereinander. Alicia kennt jeden aus ihrem Semester. „Durch die wenigen Ausgehmöglichkeiten unternehmen wir viel miteinander. Unser Freundeskreis, das ist es, was das Leben hier ausmacht“, meint Alicia.

Ein großes Marineschiff schiebt sich langsam auf der schmalen Hunte an der Fensterfront der Mensa vorbei. Vorne und hinten von jeweils einem Schlepper unterstützt. Alle Köpfe am Tisch drehen sich interessiert zum Fenster um, Hälse werden gereckt. Für ein paar Minuten werden bisherige Themen vergessen und es fallen Wörter, die ein Laie schon als „fachsimpeln“ bezeichnen würde. Klar, Seefahrt und Hafenwirtschaft stehen hier ganz besonders im Vordergrund, auch bei den Logistikern. Obwohl Elsfleth nicht gerade zu den beliebtesten Studentenstädten zählt, die Studis wissen ihr nautisches Dorf zu schätzen. Alicia und ihre Freunde jedenfalls sind glücklich.

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