Stirbt der Glaube von Studierenden aus? – Ein Kommentar

Stirbt der Glaube von Studierenden aus? – Ein Kommentar

Letztes Wochenende war Ostern — das wichtigste christliche Fest des Jahres. In meiner Kindheit war es üblich, dann Ostereier zu suchen, zu den Großeltern zu fahren und Kaffee zu trinken und im Anschluss mit der ganzen Familie in die Kirche zu gehen. Heute sieht das anders aus. An Karfreitag sehe ich etwa fünf Jugendgruppen, die mit einem Bollerwagen voll Bier und Schnaps durch das Dorf laufen. Zeitgleich bekomme ich von verschiedenen Freunden eine Einladung zum Grillen. Am Ostersamstag läuft von 14:00 Uhr bis 22:00 Uhr Fußball im Fernsehen und der Grill wird bei gutem Wetter natürlich auch wieder angefeuert. Meine 92-jährige, äußerst gläubige Großmutter sagt dazu nur: „Ihr solltet euch schämen, an Karfreitag Fleisch zu essen!“

Liegt es an mir oder der Kirche?

Aber müssen wir uns schämen, weil wir an christlichen Feiertagen nicht in die Kirche gehen? Ich selber bin kein gläubiger Mensch. Dennoch habe ich Respekt vor den Menschen, die an etwas glauben, was wissenschaftlich nicht bewiesen werden kann. Ich denke, dass es nicht wichtig ist, ausgerechnet an Ostern oder Weihnachten in die Kirche zu gehen. Jeder sollte in die Kirche gehen, wenn einem danach ist. Meiner Meinung nach besuchen Studierende auch deshalb die Kirche nicht, weil sie darin keinen Mehrwert sehen. Die ganze Woche Vorlesungen, danach noch arbeiten und den Hobbies nachgehen, am Wochenende Freunde treffen. Die Lust, sonntagmorgens noch früh aufzustehen, um in die Kirche zu gehen ist dann natürlich gering. Ich finde aber auch, dass die Kirche selber in der Verantwortung steht, etwas zu ändern. Wenn ich mal in der Kirche bin, kommt mir alles sehr zäh und langweilig vor. Alte Gebete, alte Lieder, alte Bräuche. Wann muss ich aufstehen? Wann muss ich mich hinknien? Muss ich mich dafür schämen, dass ich das nicht weiß? Die Kirche bietet der jüngeren Generation einfach zu wenig moderne Möglichkeiten, sich mit dem Glauben auseinander zu setzen. Schaue ich mich mir amerikanische Filme an, sehe ich Gospel-Chöre, die religiöse Lieder modern verpacken. Wieso schaffen es solche Bräuche nicht auch in Deutschland häufiger in die Kirche? Ich bin der Meinung, dass die Kirche die Messen einfach attraktiver gestalten muss. Anael Ngome, eine Studierende aus Wilhelmshaven, die sich einmal wöchentlich mit dem Bibelkreis trifft, ist da anderer Ansicht: „Nicht die Kirche muss sich ändern, sondern die Menschen müssen das tun.“

Glaube benötigt Gemeinschaft

Studierendenpfarrer Benno Gliemann sagt: „Um zu glauben, benötigt man Gemeinschaft.“ Welche Gemeinschaft man sich dafür aussucht, spielt laut dem Pfarrer keine wesentliche Rolle. Ob Kirche, Bibelkreise, Familie oder Freunde – das ist erst einmal egal. Der Meinung schließe ich mich an. In einer Fußballmannschaft schafft man den Sieg auch nur dann, wenn alle Spieler daran glauben. Glaube kann so viel mehr bedeuten, als nur zu Gott zu beten. Ist ein Familienmitglied schwer erkrankt, so trifft man sich mit den Angehörigen und versucht gemeinsam, durch die schwere Situation zu kommen. Wichtig dabei ist ein gemeinsames Ziel.

Nimm dir Zeit!

Mit dem Artikel in der aktuellen Ausgabe der jade.impuls sowie meinem Kommentar möchte ich die Leser zum Nachdenken anregen. Glaube ist ein sehr schwieriges Thema, da es eben nicht wissenschaftlich untersucht werden kann. Du musst dich mit dir selbst beschäftigen und dir überlegen, an was du glaubst und wie du diesen Glauben auslebst. Ich rede dabei nicht nur von Gott und Religion. Themen wie Schicksal oder ein Leben nach dem Tod gehören beispielsweise auch zum Glauben dazu. Nimm dir die Zeit und versuche herauszufinden, an was du glaubst. Denn an irgendetwas glaubt jeder Mensch.

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