Sneak Preview: Lass dich überraschen

Sneak Preview: Lass dich überraschen

Als Studentin gibt es so einige Dinge, die ich mir nicht oder nur selten leisten kann. Welcher Studierende geht denn einmal die Woche in einem Restaurant essen? Oder lässt sich regelmäßig die Nägel machen? Oder was ist eigentlich mit einem Kinobesuch. Der Studentenpreis für ein Kinoticket variiert je nach dem, wie gut der Film besucht ist und wo ich sitzen möchte. Da kann es auch sein, dass ich trotz Ermäßigung bis zu 14€ zahle. Bei 3D Filmen oder Filmen in Überlänge steigt die Summe nochmal um 0,50€ bis 2,50€ pro Ticket. Für geschmackliche Unterhaltung, egal ob salzig oder süß, muss noch gesorgt werden. Das ist für „Otto Normalstudierende“ teuer, gerade wenn ich mit Netflix für 7,99€ den ganzen Monat das gucken kann, was ich möchte. Eine Alternative wäre das AStA-Kino. Eintritt: 1€ pro Karte. Die Sound- und Bildqualität passt sich jedoch dementsprechend an und genau diese Qualität ist es doch, die uns in ein Kino lockt.

Zwischen Blockbuster und Melodram

Neulich bin ich durch Zufall auf ein vergünstigtes Programm im Kino in Wilhelmshaven gestoßen. Jeden Mittwoch um 20.30 Uhr gibt es die Sneak Preview. Dort wird ein Film gezeigt, der noch nicht in den Kinos erschienen ist. Ich habe mir eine liebe Kommilitonin geschnappt und bin in die Sneak gegangen. Da zahlt jeder 6€, aber keiner weiß für welchen Film. Das fand ich total komisch. Ich setze mich doch nicht zwei Stunden in einen Kinosaal, um irgendeinen Film zu gucken, der mich vielleicht nicht interessiert. Bei meinem Glück läuft wahrscheinlich eine US-amerikanische Filmkomödie mit attraktiven Hollywoodschauspielerinnen in Hauptrollen, die rülpsen, furzen und Bier trinken. Was mache ich eigentlich, wenn die nächsten zwei Stunden eine Liebeskomödie läuft? Oder noch ein Film von Til Schweiger mit Matthias Schweighöfer in der Nebenrolle? Gehe ich dann einfach raus? Wahrscheinlich. Ich hab’s trotzdem riskiert. Auch ein schlechter Film kann lustig sein. Wenn auch ungewollt. Der Film könnte aber auch total ins Schwarze treffen. Wenn ich das ganz optimistisch betrachte: Eine Win/Win Situation.

Sneak: Kino zum Mitmachen

Wir kauften die Tickets und gingen in den Saal, der besser besucht war, als gedacht. Das ist anscheinend ein richtiges Ding hier, 6€ zu zahlen und sich vom Film überraschen zu lassen. Bevor der Film losging, gab es eine kleine Mitmach-Show. Ein Moderator hat die Kinobesucher spielerisch mit einem Quiz zum Filmtitel geleitet. Der ganze Saal durfte mitmachen und konnte Preise gewinnen. Pappaufsteller von Johnny Depp und Penélope Cruz oder auch Snacks wie Nachos und Popcorn mit Getränken wurden verlost. Ich habe leider nicht gewonnen, aber lustig war es dennoch. Ein Mann mittleren Alters durfte zwischen einem Superhelden- und einem Überraschungsplakat wählen. Er nahm Letzteres und bekam ein Poster zum neusten Barbiefilm. Fand ich witzig. Er nicht.
Der Moderator war sehr lässig und hat sich den einen oder anderen Spaß erlaubt. Das hat den Kinobesuch definitiv aufgelockert. Die Stimmung war gut und entspannt. Als er den Filmtitel enthüllt hat, ging meine Laune wieder etwas runter. Eine Komödie mit Owen Wilsen und Ed Helms, der Zahnarzt aus Hangover. So richtig Lust hatte ich nicht, aber das Gute an der Sneak ist, ich bin ohne Erwartungen in den Film gegangen. Der Moderator gab als letzten Teil seiner Show noch einen Tipp für die nächste Sneak und schon begann der Film. Die nächsten zwei Stunden waren nicht sonderlich anspruchsvoll aber dennoch unterhaltend. Wenn ich sonst ins Kino gehe und der Film doch nicht so gut war, wie erwartet, dann gehe ich mit einem ganz unangenehm enttäuschten Gefühl heraus. Vor allem, wenn ich um die 18€ für den Abend zahle. Das hatte ich bei der Sneak Preview nicht.

Auch, wenn der Film meinen persönlichen Geschmack nicht getroffen hat, fühlte ich mich trotzdem unterhalten und das für einen für mich bezahlbaren Preis. Die Show des Moderators hat den Kinobesuch zusätzlich aufgewertet. Das hat man ja sonst nicht. Der Sneak Preview gebe ich definitiv nochmal eine Chance. Wer weiß, welcher Film als Nächstes läuft.

 

Autorin: Bahar Jafari

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