Smartphone in der Vorlesung: Fluch oder Segen?

Smartphone in der Vorlesung: Fluch oder Segen?

Ein Interview mit Professor Wolfgang Koops über Neue Medien und ihre Rolle in der Gesellschaft

(Fortsetzung des Artikels aus der Printausgabe)

Als Dozent im Fachbereich Ingenieurwissenschaften spricht Professor Wolfgang Koops über seine Erfahrungen mit den Neuen Medien und deren Zukunft im Lehrkörper.

Herr Professor Koops, welche Auswirkungen könnte der Einsatz von Medien für den Lernerfolg haben?

Ich habe mich kürzlich damit beschäftigt und im Internet einige Forschungsartikel dazu gesehen. Diese werte ich derzeit aus und stelle fest: Die sind alle negativ, was diese modernen neuen Medien betrifft. Von den Forschern wird davor gewarnt, den Einsatz der Medien mit in die Lehre zu nehmen, da dieses Gebiet noch nicht genügend erforscht ist. Grundsätzlich sinken die Noten von Studenten unter Einsatz von Medien um ein bis zwei Teilnoten. Daher bin ich jetzt am überlegen, was ich daraus an Lehre ziehen kann. Für’s Erste würde ich sogar eher weniger auf den Einsatz moderner Medien setzen und das in den nächsten Monaten mit einigen Kollegen diskutieren.

Halten Sie ein „Verbot“ oder eine Unterdrückung von Smartphones für sinnvoll?

Hier haben wir es mit ausschließlich volljährigen Erwachsenen zu tun, da sollte man so wenig wie möglich unterdrücken oder Restriktionen vornehmen. Andererseits, wenn es nicht anders geht und man meint, es verschlechtere sich im Ergebnis oder im sozialen Miteinander, dann muss man vielleicht auch sein Hausrecht wahrnehmen. Beim Wechsel vom Gymnasium auf eine Hochschule findet zudem auch oft ein überbordender Effekt statt. Wenn die Studierenden nun die Erlaubnis haben, das Smartphone innerhalb der Vorlesung zu verwenden, während dies zuvor in der Schule untersagt war, steigt auch der Nutzen. Da müssen sich die Gymnasien stärker mit auseinandersetzen. In Grundschulen halte ich den Einsatz von Medien aber nicht für sinnvoll.

Wie  kommunizieren Sie mit den Studenten über den Einsatz von Medien?

Man merkt von vorne und ich habe das auch von Kollegen gehört:  Je weiter hinten im Raum gesessen wird und je mehr aufgeklappt ist, desto weniger Blickkontakt gibt es. Einige Kollegen unterdrücken das auch entsprechend. Dann heißt es beispielsweise „Nur aufklappen, wenn ich das gesagt habe“, wenn wir es also aktiv nutzen und dann soll sich nicht von vornherein hinten reingesetzt und mit aufgeklappten Bildschirmen irgendetwas gemacht werden. Ich benutze selbst in der Freizeit ein Smartphone. Sogar zwei. Ganz selten auch in den Vorlesungen, das muss ich zugeben. Wenn ich weiß, dass ich einen gewissen Freiraum dadurch habe, dass ich eine Aufgabe rechnen lasse und wenn ich zusätzlich wieder auf etwas warte. Also gehe ich da inzwischen auch bewusst so rein, dass ich Verhalten kopiere oder Verhalten mitmache. Ich benutze es dann aber auch für die Vorlesung. Beispielsweise mache ich gelegentlich mit Einverständnis der Studierenden ein Foto und nutze dies, um irgendwann den Nachweis zu führen, dass der eine oder andere für mich abgelenkt erscheint. Das lässt sich im Nachhinein gemeinsam in einem persönlichen Gespräch klären.

Ich danke Ihnen vielmals für ihre Zeit.

Die Studierenden und die Lehrenden sind, so Prof. Koops, auf jeden Fall mit der Technik konfrontiert und auch mit dem Verstehen, was da überhaupt vor sich geht. Auch sei jeder dazu angehalten, die Tatsachen innerhalb dieses Bereiches nachzuvollziehen oder auch selbst Beiträge zu liefern. Deshalb müsse man sich frühestmöglich damit auseinandersetzen. Aber ob das nun in der Lehre ist, das ist dann wieder ein anderer Aspekt.

Autor: Dominik Mühlena