Generation Oversexed and Underfucked

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Der erste Besuch im Sex-Kino

Tim atmet einmal tief ein und geht los. Wir folgen ihm. Im ersten Saal angekommen vernimmt man ein leises Stöhnen aus mehreren Richtungen. Es sind Erotik-Filme, die in allen fünf Kabinen in diesem Saal laufen. Zu den Kabinen gehören drei Stehkabinen, eine Kabine mit großer Couch, eine Art Spielwiese auf einem Hochbett und ein offener Bereich mit Sesseln inmitten des Saals. Tim kommentiert: „Das sieht jetzt aber hier noch nicht wirklich aus, wie ich mir so ein Sex-Kino vorgestellt hätte.“

Da gerade kein Gast da ist, schauen wir uns noch etwas weiter um. Wir gehen einen kleinen Gang entlang und kommen so in den nächsten Saal. Vor dem Eingang hängt ein Schild mit dem Wort „Rauchersaal“. Tim steckt sich also eine Zigarette an und geht in den Saal.

Einmal um die Ecke gelaufen steht dort ein großer Fernseher, der den Mittelpunkt des Raumes bildet. Vor dem Gerät sind zwei große Couches aufgereiht. „Na so habe ich mir doch so ein Kino vorgestellt“, sagt Tim und setzt sich in die erste Reihe direkt vor den großen Fernseher auf dem gerade ein Filmchen läuft.

Nach ein paar Minuten stiller Beobachtung steht er wieder auf und öffnet die Tür zur ersten von insgesamt sechs Kabinen im Raucher-Saal. Vor ihm liegt eine Spiegel-Kabine. In der Mitte dieser Kabine steht eine große, schwarze Lack-Couch und an jedem Platz an der Wand und an der Decke hängen Spiegel. Draußen an der Tür gibt es zusätzlich noch ein Guckloch, durch das man dem Treiben in diesem Raum folgen kann, sollten die Gäste nicht von Innen den Sichtschutz vor das Loch geschoben haben. Weiter hinten im Raucher-Saal sind noch jeweils zwei Bi- und Gay-Kabinen zu finden.

Als ein paar Gäste den Saal betreten, machen wir uns auf den Weg nach draußen, um ihnen und Tim etwas Privatsphäre zu geben.

Nachdem ein paar Minuten vergangen sind treffen wir uns wieder zusammen mit Tim und Peter im Eingangsbereich, dem Sexshop. Tim betritt den Raum grinsend und nimmt auf einem Stuhl platz. Wir fragen ihn, wie er seinen ersten Besuch im Erotik-Kino empfunden hat. Er antwortet: „Ich hatte mir vorher immer ein versifftes und unhygienisches Kino mit zwielichtigen Gestalten vorgestellt. Ich wurde aber von dem Gegenteil überzeugt. Das heute ist absolut gar nicht vergleichbar damit, einen Porno zu Hause geguckt zu haben. Hier kann ich mich öffentlich mit anderen Gästen darüber unterhalten und ich brauche mich für nichts zu schämen.“

Wir sind neugierig und wollen wissen, ob das Konsumieren von Pornos auch für ihn ein Tabuthema war und ob sich seine Ansicht vielleicht durch diesen Besuch verändert hat. Tim antwortet: „Also, ich habe vorher nicht wirklich offen über Pornofilme gesprochen, geschweige noch mit anderen Menschen zusammen einen Porno angeschaut. Ich glaube schon, das meine Hemmschwelle durch die direkte Konfrontation wahrscheinlich geringer ist. Vielleicht sollten wir Erotik-Filme einfach als solche hinnehmen und anfangen offen darüber zu sprechen. Schließlich guckt sie ja doch irgendwie jeder. Eben nur heimlich.“

Peter fügt hinzu: „Das Internet kann fast alles ersetzen, aber ganz sicher nicht den Körperkontakt.“

 

Autor: Alena Wedell

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