Schaffen bis zum Umfallen

Schaffen bis zum Umfallen

Möglichst schnell, möglichst gut und möglichst stressfrei mit seinem Studium fertig zu werden, das ist der Plan vieler Studenten. Diese drei Dinge sind bei den meisten jedoch nicht miteinander vereinbar. So kann es passieren, dass man sich schnell mit der Gesamtsituation überfordert fühlt. In Extremfällen können Stress und Überforderung sogar zu einem Burnout-Syndrom führen.

Laut dem Dachverband der Betriebskrankenkassen waren im Jahr 2015 Depressionen und Burnout der zweithäufigste Grund für Fehlzeiten bei Arbeitnehmern. Nur Erkrankungen von Muskeln und Skelett treten häufiger auf. Und auch Studenten sind immer mehr von seelischen Erkrankungen betroffen. Auch Diplom-Sozialpädagoge Bernhard Bauer von der Psychosozialen Beratungsstelle (PSB) an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven kann diese Zunahme bestätigen: „Also Arbeitsmangel haben wir nicht, unsere Terminkalender sind sehr voll“. Wieso sich immer mehr Studenten externe, psychische Beratung holen, liegt vor allem an dem von ihnen selbst erzeugten Leistungsdruck: „Viele wollen möglichst gut und möglichst schnell ihr Studium durchziehen. Doch beides zusammen ist eher kontraproduktiv. Aber ist man erstmal auf diesen Zug aufgesprungen, dann stößt man ständig an seine Grenzen“, so Bauer.

Doch wie merkt ein Betroffener, dass er Burnout-gefährdet ist? Der Körper sendet einem bei viel Stress und Druck häufig Warnsignale. Diese können zum Beispiel Kopfschmerzen, Magenschmerzen oder Schlaflosigkeit sein. Werden diese Signale immer wieder übergangen, kann das schwerwiegende Folgen haben und sogar zu Kreislaufkollapsen führen. Von Burnout betroffene Studenten ignorieren diese Symptome oft und merken selbst nicht, dass es sich um Warnsignale handelt. „Betroffene sind in einem Tunnel, in dem es nur in eine Richtung geht und es heißt schaffen, schaffen, schaffen bis zum Umfallen. Und meistens gehen sie dann erst zum Arzt oder holen sich Hilfe, wenn sie schon umgefallen sind und es eigentlich schon zu spät ist, um einen Burnout oder eine Depression zu verhindern.“ Einerseits merken Studenten, dass sie kraftlos, schwach oder missmutig sind, auf der anderen Seite wollen sie ein Ziel aber trotzdem um jeden Preis erreichen, ohne sich dabei selbst eine Pause zu nehmen.

Und genau diese Pausen, die man sich in seinem Alltag nimmt, sind laut Bernhard Bauer die beste Vorbeugung gegen eine psychische Erkrankung. „Wer einen gut strukturierten Tagesplan hat, in dem auch Pausen, Freizeit und Hobbys eine Rolle spielen, der kommt auch gut durch sein Studium.“ Neben guter Selbstorganisation nennt der Sozialpädagoge weitere Maßnahmen zu Prävention: „Man sollte seine Erwartungen an sich selbst deutlich klarmachen. Welchem Druck setzte ich mich aus und welchen Druck kann ich ertragen, wie hoch hänge ich meine Ziele und was genau so wichtig ist, wie gut bin ich sozial vernetzt? Wenn man diese Dinge alle unter einen Hut bekommt, ist man in der Regel auf der sicheren Seite.“ Sollte es doch einmal so weit sein, dass man selber merkt psychisch zu erkranken, hat Bernhard Bauer auch hier Tipps für Studenten: „Erstmal sollte man gucken, wie man es schafft, sich externen Rat zu holen, um einen selber ein wenig zu hinterfragen: Was mache ich mit mir? Warum habe ich einen so hohen Leistungsdruck? Wo kommt dieser her? Mache ich mir diesen selbst oder kommt der von außen? Gibt es vielleicht andere Lösungswege wie ich mit bestimmten Situationen umgehe? Und wie vermeide ich möglichst viel Stress?“

Manchmal ist es wichtig „Jetzt reicht es!“ zu sagen und sich eine Pause vom alltäglichen Hochschul- und Prüfungsstress zu nehmen. Sollte irgendwann einmal das Gefühl aufkommen, dass das Studium aus der Bahn gerät, sollte sich frühzeitig bei der PSB in Wilhelmshaven gemeldet werden. Diese ist erreichbar unter psb.whv@uni-oldenburg.de.

Autor des Artikels: Marvin Kesper

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