pizza-1

Koch doch mal! Wenn die Pflicht zum Hobby wird

Essen ist ein Genuss. Essen ist das, was jeden Menschen glücklich macht, denn jeder muss essen. Die Möglichkeiten an Zutaten und Gerichten sind gigantisch. In den sozialen Medien liken wir Rezepte von Foodblogs, taggen uns gegenseitig unter Tasty-Kochvideos und inszenieren und teilen unsere Mahlzeit über Snapchat und Instagram. Gleichzeitig wird im Fernsehen mehr gekocht, als Essen an deutschen Tafeln verteilt. Aber eine Sache ist seltsam.

Wir sind umgeben von Essen, immer gesünder, immer schöner und immer ausgefallener. Während Jonathan Swiridoff-Bauer (22), die 39 Cent Penne kocht, um sie später mit Pesto zu verfeinern, taut David Hammersen (21) in seiner WG-Küche bereits die Tiefkühlpizza auf 180 Grad Umluft auf. Wenn der Student abends in der Küche steht, muss es schnell gehen. Kochen ist aufwendig und anstrengend und die Küche, die zwar eh nie sauber ist, wird noch dreckiger. Töpfe und Pfannen stapeln sich mit Essensresten auf der Ablage der Spüle. Anstatt sie zu reinigen, mutieren sie zu wissenschaftlichen Experimenten. Dann räumen wir zwar endlich auf, aber bereiten weiterhin Nudeln und Pizza zu. Sicherlich ist das etwas übertrieben, aber seien wir mal ehrlich, die ein oder andere Tupperdose ist gerne mal direkt im Müll gelandet, weil der Inhalt zu furchteinflößend war.

Die lästige Pflicht, die dem Ergebnis im Weg steht

Kochen muss nicht lästig sein, kochen ist ein kreatives Handwerk. Genauso wie wenn man früher mit Lego gebaut hat, ging es nicht darum so schnell wie möglich damit fertig zu werden, sondern der Prozess zum Ergebnis, war Teil der Freude. Beim Kochen ist das genau das gleiche Prinzip. Wir haben eine Idee, eine Vorstellung davon, was wir erschaffen wollen. Wir sammeln unsere Zutaten und setzen sie zusammen. Die einzigen Grenzen, die es gibt, sind die, die wir uns selber setzen. So wie bei Lego die Wände des Hauses nicht bunt sein sollen, genauso passt auf die Pizza auch keine Ananas. Wobei auch hier lässt sich über beide Grenzen streiten.

Was soll ich kochen?

Doch die wichtigste Frage: was kochen? Ein großes Problem, woran viele Kochbücher und Rezepte scheitern, sind die extravaganten Zutatenlisten. So wird im Kochbuch von Tim Mälzer „Born to Cook“ dem Leser versprochen, „die Zutaten sind easy zu bekommen“. Doch ohne Lorbeerblatt, Vanilleschote und Weißwein kommt man bei dem Rezept „Kaninchen in Vanille mit Chili-Bratapfel“ nicht weit. Wem das noch zu einfach ist, kann für den „Leckeren Fischeintopf“ von Mälzer Fenchelknollen, Herzmuscheln, Steinbeißerfilet, Knurrhahnfilet und Safran organisieren. Welcher Studierende ist gewillt solche Zutaten für ein Gericht zu kaufen? Ich möchte in diesem Artikel zeigen, dass gutes Essen ebenso simpel, wie günstig sein kann, denn es geht um die selbstgemachte Pizza. Der ein oder andere wird bereits die Augenbraue hochziehen, denn Pizza selbst machen, kann für Chaos sorgen, wenn die Tomatensoße den Wänden einen neuen Anstrich verleiht und in allen Furchen und Ritzen Mehl landet. Aber ich verspreche euch, befolgt ihr dieses Rezept, gelingt euch die selbstgemachte Pizza mit wenig Aufwand.

Die häufigsten Fehler bei der selbstgemachten Pizza sind ein zu dicker Teig, zu viel Belag und eine schlechte Tomatensoße. Wer darauf achtet, bekommt auch ein gutes Ergebnis. Den Anfang macht der Teig.

Rezeptliste Teig:

• 125g Mehl
• 62,5ml Wasser
• Einviertel frischer Block Hefe
• Olivenöl

Der Teig ist super simpel. Das Verhältnis von Mehl zu Wasser ist eins zu zwei. Ihr könnt das Rezept also jederzeit für mehrere Pizzen anpassen. Zuerst gebt ihr die 125 Gramm Mehl in eine Schale. Dann löst ihr ein Viertel des Hefe Blocks in 62,5 Milliliter lauwarmen Wasser auf und schüttet das Gemisch in die Schale. Zusätzlich kommt noch ein Schuss Olivenöl dazu. Danach knetet ihr alles zusammen zu einer homogenen Masse. Entweder mit den Händen oder ihr rüstet euren Handmixer mit Knethaken aus und bringt so alles zusammen. Der Teig sollte danach eine Stunde abgedeckt an einem warmen Ort ziehen. Den Teig vorher noch mit ein wenig Mehl einreiben, damit er nicht in der Schale festklebt. In der Zeit kann man sich um die Pizzasoße kümmern.

Rezeptliste Pizzasoße:

• Eine kleine Dose gehackte Tomaten
• Eine Zwiebel
• Eine Knoblauchzehe
• Eine halbe Paprika
• Salz, Pfeffer, Zucker

Optional:

• Basilikum
• Oregano
• Balsamico

Die Zutaten schneidet ihr klein, umso kleiner desto besser. In einen Topf kommt etwas Olivenöl. Dort bratet ihr zuerst die Paprika an und zwei Minuten später gebt ihr die Zwiebeln dazu. Achtung, dass der Topf nicht zu heiß ist, die Zwiebeln und die Paprika sollen nicht braun, sondern glasig werden. Zum Schluss kommt der Knoblauch dazu. Nach knapp einer Minute wird dann das Gemisch abgelöscht. Wer Balsamico zu Hause hat, gibt einen ordentlich Schuss dazu, ansonsten einfach die Dose mit den gehackten Tomaten mit etwas Wasser dazu geben. Alles gut umrühren und den Herd runterstellen, damit alles vor sich hin köchelt. Hier gilt je länger die Soße kocht, desto besser. Aber 30 Minuten können auch schon ausreichen. Zum Schluss kann man noch Basilikum und Oregano dazugeben. Nicht früher, sonst verkochen die Kräuter. Wer keine Stückchen der einzelnen Zutaten in der Soße mag, kann diese auch noch mit einem Stabmixer pürieren. Das intensiviert außerdem den Geschmack, aber ist kein Zwang.

Endlich unabhängig von Hallo Pizza und Dr. Oetker

Jetzt dürft ihr euch erst mal auf die Schulter klopfen. Ihr seid endlich unabhängig von Hallo Pizza, Dr. Oetker und der Ofenfrischen. Die Küche hat endlich eine andere Funktion als nur als Raucherraum und Trinkzimmer zweckentfremdet zu werden. Jetzt kommen wir zu einer der Schwierigkeiten bei der selbstgemachten Pizza: das Ausrollen des Teigs.

Ihr werdet überrascht sein, denn zum Ausrollen wird kaum Kraft benötigt, nur etwas Mehl. Die Hefe hat ihre Aufgabe erledigt, du bist also nicht die einzige Person, die in der Küche arbeitet – danke Hefe. Da der Teig insgesamt sehr klein ist, wird es auch nicht passieren, dass er zu dick wird. Rollt die Pizza mit einem Nudelholz oder einer Flasche so aus, wie ihr euch eure Pizza vorstellt. Größer als ein normales Backblech wird der Teig sowieso nicht, ohne dass er reißt. Jetzt wird es Zeit das Backblech mit Backpapier und etwas Mehl vorzubereiten. Nehmt den ausgerollten Teig und hievt ihn aufs Papier. Ihr verteilt die Soße gleichmäßig auf dem Teig, so dass der komplette Boden bedeckt ist. Aber nicht zu viel, 8 EL Pizzasoße reichen aus.

Jetzt schiebt ihr die halbfertige Pizza in den vorgeheizten Ofen bei 180 Grad Umluft oder 200 Grad Ober- und Unterhitze. Keine Sorge, ihr braucht noch keinen Käse oder Belag auf die Pizza zu tun. In dieser Phase geht es darum, dass der Teig anfängt knusprig zu werden und die überschüssige Feuchtigkeit aus der Soße entweicht. Das ist der zweite große Fehler bei der selbstgemachten Pizza, zu viel Soße und Belag. Nach fünf Minuten nehmt ihr die Pizza raus. Jetzt könnt ihr die Pizza belegen. Hier gibt es keine Grenzen, denn wenn man sich die großen Lieferservices zur Weihnachtszeit anguckt, gibt es mittlerweile sogar Pizza mit Rotkohl, Ente und Bratensoße. Wenn es um Pizza geht, ist also Platz für jeden „Geschmack“.

Zuletzt empfehle ich eine Mischung aus Gouda und Mozzarella-Käse. 100 Gramm ist ein guter Richtwert für eine Pizza. Aber wir wissen alle, wenn es um Käse geht, gibt es zu viel Käse eigentlich nicht. Nach 10 bis 15 Minuten ist eure Pizza dann fertig. Jetzt habt ihr es geschafft. Eurer Ergebnis lächelt euch an und ihr lächelt zurück. Die Liebe auf den ersten Blick und auf den letzten Biss. Wenn alles ohne große Probleme lief, sollte jetzt eine Podcast-Folge Fest & Flauschig zu Ende sein und ihr einen vollen Magen haben. Zumindest geht es mir jetzt so. Ich möchte nicht mehr viele Worte verschwenden. Versucht euch einfach aufs Kochen einzulassen und jetzt möchte ich nur noch dieses Bilder für sich sprechen lassen:

pizza 2

Autor: Fin „Eddy“ Edlefsen

Leave a Comment