Niedersachsenstipendium fördert Studenten aus bildungsfernen Schichten

Niedersachsenstipendium fördert Studenten aus bildungsfernen Schichten

Auch in diesem Semester hatten Studierende die Möglichkeit, sich für ein Niedersachsenstipendium zu bewerben. Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur stellte der Hochschule Gelder in Höhe von 37.000 Euro zur Verfügung. Damit können 74 Studierende eine Einmalzahlung von 500 Euro erhalten.
Wir sprachen mit zwei am Verfahren beteiligten Personen und einer Stipendiatin des letzten Semesters, um einen kleinen Einblick in die Prozesse der Stipendienvergabe zu liefern und zu zeigen, worauf es bei der Bewerbung ankommt.

Der Weg der Bewerbung

Bewerber müssen zuerst ein Online-Formular ausfüllen. Danach erhält man ein detaillierteres Bewerbungsschreiben per Mail, welches zusammen mit einem Motivationsschreiben abgegeben werden muss.
Die Bewerbungen landen bei Claudia Baumgärtner. Sie ist im zentralen Veranstaltungsmanagement der Jade Hochschule tätig und leitet die Anträge an die Fachbereiche weiter.

Welche Studierenden genau mit einem Niedersachsenstipendium ausgezeichnet werden, wird in den jeweiligen Fachbereichen selbst bestimmt.
Vorgaben vom Kultusministerium über den genauen Prozess der Vergabe gibt es dabei nicht. Einzige Rahmenbedingung: Das Stipendium soll vor allem Studierende aus nicht akademischen Familien und Flüchtlinge fördern. Das Niedersachsenstipendium ist bisher das einzige Stipendium Deutschlands, welches das tut.

„Das sollte Studierende, die davon nicht betroffen sind, aber nicht abschrecken“, merkt Claudia Baumgärtner an. „Es sollten sich mehr für Stipendien bewerben.“
Die Chancen stehen gar nicht so schlecht: Die Anzahl der Bewerber ist in der Regel nur etwa zwei- bis dreimal so hoch, wie die der zu vergebenden Stipendien.
Baumgärtner rät zudem: „Die Bewerbungen müssen nicht einmal besonders schön sein. Das wird bei der Bewertung nämlich gar nicht beachtet. Es ist immer schade, wenn Studierende viel Geld für teure Mappen ausgeben. Eine Klarsichthülle ist völlig ausreichend.“

 Eine Stipendiatin erzählt …

Lisa Brummel studiert Medienwirtschaft und Journalismus und hat den Schritt gewagt. Mit Erfolg. Sie wurde letztes Semester mit einem Niedersachsenstipendium ausgezeichnet.
Das Schwierigste an der Bewerbung sei das Motivationsschreiben gewesen, sagt sie. Alles andere verlief völlig unkompliziert. Danach hieß es lediglich: Abwarten. Nach ungefähr zwei Monaten bekam sie Bescheid.
„Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie meine Chancen auf das Stipendium aussahen, umso glücklicher war ich, als ich ausgezeichnet wurde!“, sagt sie.
Die kleine Finanzspritze hat sie gespart. Wenn die Zeit reif ist, soll sie für ein neues Handy sorgen.
„Und abgesehen davon macht sich so etwas ja auch immer sehr gut im Lebenslauf.“
Lisa hat sich dieses Semester erneut für das Niedersachsenstipendium beworben. Und auch für das Deutschlandstipendium möchte sie einen Antrag stellen.

Der Ablauf eines Auswahlverfahrens

Jörg Brunßen (im Bild zu sehen) ist Lehrbeauftragter und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Jade Hochschule und schon seit fünf Jahren für die Vergabe der Niedersachsenstipendien im Fachbereich Wirtschaft zuständig. Dabei helfen ihm immer ein bis zwei andere wissenschaftliche Mitarbeiter.
„Der Notendurchschnitt bietet erst einmal die Grundlage“, erklärt Brunßen das Grundprinzip seines Auswahlverfahrens. „Bei Erstsemester-Studenten nehmen wir die Abiturnote, bei allen anderen den bisherigen Durchschnitt. Dann schauen wir, unter welchen Bedingungen der Bewerber oder die Bewerberin studiert und was nebenbei noch geleistet wurde. Diese Kriterien schlagen sich in einer Verbesserung der Note nieder. Wie viel von der Note abgezogen wird, das kommt dann immer ein bisschen auf die Person an, das sind ganz individuelle Fälle.“

Besonders beachtet wird dabei, wie vom Kultusministerium gewünscht, der Umstand, ob man der erste Studierende aus der Familie ist, oder ob man fluchtbedingt oder anderweitig einen besonders schweren Start hat.
Ebenfalls hoch angerechnet werden ehrenamtliche Leistungen. Dabei sei es ganz wichtig, so Brunßen, dass dieses Ehrenamt auch schriftlich bestätigt wird. „Wir können nicht wissen, ob sich jemand ehrenamtlich engagiert, wenn wir keinen Beleg dafür haben. Eine bloße Erwähnung im Motivationsschreiben reicht uns da leider nicht.“
Der Bezug von Bafög wirkt sich ebenfalls positiv auf die Bewertung aus, sowie schwierige private Verhältnisse, wie die Pflege eines Familienmitgliedes oder zeitraubende Arbeit, um das Studium zu finanzieren.
Es könne mitunter sein, dass die Note um ganze zwei Punkte verbessert werde, wenn ein Bewerber die nötigen Kriterien erfülle, so Brunßen. Es kam beispielsweise schon vor, dass Bewerber mit einem Schnitt von 2,8 ein Stipendium erhielten.

 

Weitere Infos zu verschiedensten Stipendien findet ihr hier:

https://www.jade-hs.de/netzwerk/foerderung/stipendien/

 

 

Geschrieben von Francesco Huber

 

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