Modernste Kameratechnik: Das Labor für optische 3D-Messtechnik

Modernste Kameratechnik: Das Labor für optische 3D-Messtechnik

Motion Capture ist aus der Filmwelt kaum noch wegzudenken. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Darstellung der Fantasiegestalt „Golum“ in „Herr der Ringe“ durch Andy Serkis. Mit Hilfe von Bewegungserfassung wurden die Gesichtszüge und Körpersprache des britischen Schauspielers festgehalten und anschließend auf die animierte Filmfigur übertragen.

„Was Motion Capture in der Filmproduktion ist, wird in der Messtechnik als Bewegungsanalyse bezeichnet, die durch Onlinemesssysteme erfasst werden“, erklärt Heidi Hastedt, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Jade Hochschule in Oldenburg. Durch die Verwendung mehrerer Kameras können die Bewegungen eines Objektes in deren Mitte in Echtzeit erfasst werden. Dazu wird dieses mit sogenannten Markern, kleinen weißen Kügelchen, versehen, die die Kameras erkennen können.

Theoretisches Wissen selbständig anwenden

In dem Labor können die Studierenden frei und selbstständig mit den verschiedenen Instrumenten arbeiten
In dem Labor können die Studierenden frei und selbstständig mit den verschiedenen Instrumenten arbeiten. Foto: Justine Prüne

Genau das und noch vieles mehr lernen die Studierenden der Studiengänge Angewandte Geodäsie und Geoinformatik im Labor für optische 3D-Messtechnik in Oldenburg. „Hier können sie ihr bereits erworbenes theoretisches Wissen anhand von verschiedenen Techniken zur bildbasierten 3D-Vermessung anwenden“, so Heidi Hastedt. Dabei stehen den Studierenden eine Vielzahl an Methoden und Instrumenten zur Verfügung. „Wir sind sehr gut ausgestattet. Neben den Onlinemesssystemen für dynamische Anwendungen und vielen verschiedenen Kameras stehen den Studierenden außerdem Hochgeschwindigkeitsmesssysteme und Lasertechnik zur Verfügung“, sagt Heidi Hastedt. Die Leiterin des Labors hat selbst Geodäsie studiert und steht den Studierenden mit Rat und Tat zur Seite. Diese dürfen, nach einer Einführung in die Technik und verschiedenen Grundlagenübungen, selbständig mit den unterschiedlichen Messsystemen arbeiten, erzählt Simon Nietiedt, Masterstudent im Studiengang Geodäsie und Geoinformatik. „Dadurch, dass wir alles eigenständig ausprobieren können, haben wir so viele Möglichkeiten und können unsere eigenen Ideen praktisch umsetzten. Und falls man dann Fragen hat, ist der Weg zu den wissenschaftlichen Mitarbeitern nicht weit.“

Von Schiffsmanövern bis Windkraft: vielfältige Anwendungsgebiete möglich

Messsystem zur berührungslosen Erfassung der Bewegung von Rotorblättern von Windkraftanlagen im laufenden Betrieb. Foto: Justine Prüne
Messsystem zur berührungslosen Erfassung der Bewegung von Rotorblättern von Windkraftanlagen im laufenden Betrieb. Foto: Justine Prüne

Das Labor für optische 3D Messtechnik wird nicht nur in der Lehre, sondern auch zu Forschungszwecken verwendet, und zwar fächerübergreifend. „Die Kollegen aus dem Fachbereich Seefahrt und Logistik nutzen zum Beispiel die Onlinemesstechniken, um Bewegungsanalysen von Schiffsmanövern im Versuchsbecken durchzuführen“, erläutert Heidi Hastedt. Aber auch in ganz andere Gebieten findet die optische 3D-Vermessung Anwendung: Etwa in der Windkraft zur Entwicklung eines berührungslosen Messverfahrens oder in der Forschung zu unbemannten Unterwasserfahrzeugen, für die ein System zur Positionierung und Erfassung in unbekannter Umgebung entstehen soll. Auch Simon Nietiedt nutzt das Labor für sein Masterprojekt und die anschließende Masterarbeit. „Ich befasse mich dabei mit der 3D-Oberflächenerfassung für Anwendungen unter Wasser. Anhand mehrerer eigener Versuchsreihen bewertete ich am Beispiel von Schweißnähten verschiedene Methoden, um die benötigten Unterwasseraufnahmen zu verbessern“. Solche studentischen Projekte sind für Heidi Hastedt das Schönste an ihrer Arbeit im Labor für optische 3D-Messtechnik: „Es macht großen Spaß zu erleben, wenn die Arbeiten der Studierenden erfolgreich sind.“

Autor: Justine Prüne

Schreibe einen Kommentar