Beim Einkauf loser Lebensmittel auf dem Mark lässt sich eine Meng Plastikmüll vermeiden. Foto: Justine Prüne

Leben ohne Plastik? Ein Selbstversuch

Jeder Deutsche produziert laut Umweltbundesamt im Jahr 559 Kilogramm Müll, davon 148 Kilogramm Plastik. Eine Kunststoffflasche benötigt bis zu 450 Jahre um zersetzt zu werden. Das Problem: Plastik ist biologisch inert, also sehr stabil und löslich. Das bedeutet, dass Plastikpartikel zwar kontinuierlich kleiner werden, aber nicht vollständig abgebaut werden können. Jeder Deutsche produziert also jährlich 148 Kilogramm Kunststoffmüll, der nie wieder verschwindet. Dem Umweltbundesamt zufolge wird heute schon eine Anreicherung von Plastikpartikeln an Stränden, in Meeresstrudeln und Sedimenten beobachtet. Ich habe deshalb einen Entschluss gefasst: Ich möchte in Zukunft möglichst plastikfrei leben. Dazu habe ich mir vorgenommen, 30 Tage lang keinen Plastikmüll zu produzieren. Begleitet mich auf meinem Weg durch einen turbulenten Monat.

Überall Kunststoff

Zahnbürste, Zahnpastatube, Shampoo und Duschgel – alles aus Kunststoff. Auch in der Küche sieht es nicht besser aus. Der Käse ist in Plastik verpackt, der Spülschwamm ist aus Kunststoff und die Nudeln von gestern mit Frischhaltefolie abgedeckt. Plastik ist in unserem Alltag so selbstverständlich geworden, dass es nicht einfach sein wird dem aus dem Weg zu gehen.

Auch deswegen rät mir Caroline Hoops mit kleinen Schritten anzufangen. Die 24-jährige studiert in Oldenburg und versucht schon länger plastikfrei zu leben. Seit 2015 betreibt sie den Blog einbisschengruener.com, indem sie ihre Erkenntnisse und Erfahrungen teilt.  Auch für mich hat sie viele Tipps, die mir hilfreich erscheinen: „Am wichtigsten ist es sich nicht entmutigen zu lassen. Es ist nicht immer einfach auf Plastik zu verzichten und manchmal schlicht nicht möglich. Deswegen, sollte man es sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen, wenn etwas nicht klappt, sondern immer daran denken: Jedes bisschen zählt.“

Plastikfrei Einkaufen

Mein plastikfreier Monat beginnt zunächst mit dem Einkauf. Hier rät Caroline Hoops: „Beim Einkaufen lässt sich einfach eine Menge Plastikmüll vermeiden. Der erste Schritt ist es eine eigene Tasche zu verwenden, um keine Tüte aus Kunststoff benutzen zu müssen. Als Nächstes versuche ich Lebensmittel ohne Verpackung oder im Glas zu kaufen. Beispielsweise gibt es Obst und Gemüse lose, anstatt in Plastik eingeschweißt oder Jogurt im Glas und nicht im Becher. Auch bei Drogerieprodukten greife ich auf plastikfreie Alternativen zurück. Q-Tips gibt es etwa auch aus Holz, statt mit Kunststoffgriff.“

Besonders einfach lassen sich lose Lebensmittel auf dem Markt einkaufen. Mein erster Weg führt mich deshalb auf den Wochenmarkt am Wilhelmshavener Rathaus. Jeden Mittwoch- und Sonnabendvormittag bieten hier eine Vielzahl von Händlern ihre Waren an. Als erstes versuche ich mich am Obst- und Gemüsestand. Hier funktioniert es problemlos auf Kunststoff zu verzichten. Ich befolge Caroline Hoops Rat und nehme eine eigene Tasche mit, sodass ich keine Plastiktüten brauche. Etwas schwieriger sieht das Ganze am Käsewagen aus. Etwas peinlich berührt krame ich meine Dose heraus und bitte den Verkäufer den Gouda darin zu verpacken, anstatt in Folie. Entgegen meinen Befürchtungen klappt das jedoch ohne Probleme: Mein erstes Erfolgserlebnis!

Für Unterwegs hat Caroline Hoops ebenfalls einige nützliche Ratschläge. „Nimm eine  wiederverwendbare Trinkflasche mit, dann brauchst du keine Plastikflaschen zu kaufen. Das schont nicht nur die Umwelt sondern auch den Geldbeutel. Außerdem kannst du im Restaurant den Strohhalm abbestellen.“  Klingt erstmals alles sehr einfach. Doch es kostet mich, ähnlich wie beim Käsekauf, einiges an Überwindung zu sagen: „Bitte ohne Strohhalm.“ Das eine oder andere Mal wird meine Bitte auch mit hochgezogenen Augenbrauen oder verdrehten Augen beantwortet. Doch nachdem ich erst einmal über meinen Schatten gesprungen bin, wird es schnell selbstverständlich. Die meisten Kellner und Verkäufer reagieren außerdem sehr verständnisvoll.

Suche nach plastikfreien Alternativen

Auch Zuhause möchte ich mich weniger mit Plastik umgeben. Natürlich heißt das nicht, dass ich sämtlichen Kunststoff aus meiner Wohnung schmeiße, denn das wäre ja das Gegenteil von keinen Plastikmüll produzieren. Doch jedes Mal, wenn etwas kaputt geht, versuche ich es ohne Kunststoff zu ersetzten. Meine neue Zahnbürste ist beispielsweise aus Bambus und nachdem mein Shampoo in der Plastikflasche aufgebraucht ist, steige ich auf Haarseife um.

„Jedes Bisschen zählt!“

Habe ich es geschafft keinen Plastikmüll zu produzieren? Leider nicht. Kopfschmerztabletten gibt es einfach nicht ohne Kunststoffverpackung und das eine oder andere Mal erhalte ich im Restaurant ungefragt einen Strohhalm. Außerdem kommen mir Ostern und diese verführerischen Schokohasen dazwischen. Trotzdem ist mein Monat ohne Plastik ein großer Erfolg. Ich habe gelernt viel bewusster mit Plastik umzugehen und produziere auf diese Weise von ganz allein viel weniger Kunststoffmüll. Caroline Hoops hat Recht: „Niemand ist perfekt, aber jedes bisschen zählt!“

Autor: Justine Prüne

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