Klausurstress in der Winterzeit – zwischen Weihnachtstrubel und Prüfungsterror

Klausurstress in der Winterzeit – zwischen Weihnachtstrubel und Prüfungsterror

Weihnachten ist die Zeit der Besinnlichkeit. Über die Feiertage kommen Familien zusammen, um das Fest zu zelebrieren. Dazu gehören deftiges Weihnachtsessen, Geschenke unterm reich geschmückten Tannenbaum – und Berge von Lernzetteln. So zumindest sieht es für viele Studierende aus. Der Spagat zwischen Weihnachtszeit und Klausurvorbereitung ist eine Kunst für sich, in vielen Fällen beginnen die Prüfungen bereits wenige Tage nach Einläuten des neuen Jahres. Die Nerven liegen blank. Nur wohin, wenn alle Stricke zu reißen drohen? Die Zentrale Studienberatung (ZSB) ist eine Anlaufstelle für Studierende, die sich vom Studium überrollt fühlen.

Die Angebote der Zentralen Studienberatung

Susanne Busche ist Lernberaterin und -coach an der Jade Hochschule und Mitarbeiterin der Zentralen Studienberatung. „Wir haben viel mit Studierenden zu tun, die aufgrund des gehäuften Prüfungsaufkommens einen erhöhten Leistungsdruck und deshalb Stressprobleme haben“, sagt Busche.
Beispielsweise wollen viele Studierende das Studium in der vorgegebenen Anzahl an Semestern bewältigen, überfordern sich damit teilweise aber selbst. „In welchem Tempo man sein Studium absolviert, sollte man sich selbst vorgeben“, so Busche. „Jeder benötigt da eine andere Zeit. Keiner sagt, dass man das Studium in Regelstudienzeit schaffen muss.“
Die Studierenden sollen erkennen, dass stressbedingte Probleme nur menschlich sind und sich nicht davon abschrecken lassen, zur Beratung zu gehen. Gelegentlich komme es vor, dass sich im Gespräch herausstellt, dass sich hinter dem Stress und den Ängsten ein großer emotionaler Ballast verbirgt. In solchen Fällen arbeitet die Zentrale Studienberatung eng mit psychologischen Beratungsstellen zusammen. Die zentrale Studienberatung ist für Studierende häufig die erste Anlaufstelle.
„Wir konzentrieren uns hier darauf, den Studierenden individuell zu einem erfolgreichen Studium zu verhelfen“, sagt Busche. Die ZSB bietet Beratungen an, in denen gute Strategien für das Lernen erarbeitet werden, sowie Prüfungscoachings, in denen versucht wird, Studierende gut auf die Prüfungen vorzubereiten und Ihnen die Prüfungsangst zu nehmen. „Dabei gibt es keine allgemeinen Lösungen“, erklärt Busche. „Jeder Studierende ist da ein ganz individueller Fall. Im Gespräch finden wir dann raus, wo die Schwierigkeiten liegen, und versuchen diese dann gezielt anzugehen.“
Es sei jedoch generell sinnvoll, sich kontinuierlich mit dem Stoff zu beschäftigen und vor allem früh damit anzufangen, sich einen Lernplan zu erstellen.
Wichtig sei dabei auch die Konzentration. „Wenn man zum Beispiel eine Stunde lernen möchte, aber zehnmal von Nachrichten auf dem Handy wieder aus dem Stoff geholt wird, dann bleibt da folglich nicht viel Wissen hängen“, so Busche.
Das Gehirn brauche Zeit, um das Gelernte zu verinnerlichen. Daher empfiehlt Busche, immer wieder Lernpausen einzulegen. Ein Spaziergang oder eine Runde Sport seien ideal. Zur Belohnung eine Serienfolge auf Netflix schauen sei wenige sinnvoll, da das noch nicht gesetzte Wissen so mit den neuen Informationen überschrieben wird. Wer sich gern mit einer Folge belohnen möchte, sollte genügend Zeit zwischen dem Lernen und dem Anschauen verstreichen lassen.

 Panik unter Prüfungsbedingungen: Ein Erfahrungsbericht

Fenja B. studiert Wirtschaft im sechsten Fachsemester und hat die Hilfe der Studienberatung im Frühjahr angenommen.
„Ich war letztes Semester im Ausland und hatte direkt danach eine mündliche Ergänzungsprüfung. Da habe ich Panik bekommen und gemerkt, dass ich Hilfe brauche“, berichtet sie. Sie hätte auch schon vorher Probleme mit Klausuren gehabt und die mündliche Prüfung war schließlich der ausschlaggebende Grund, etwas dagegen zu unternehmen.
Zusammen mit Susanne Busche hat sie in mehreren Terminen die Ursachen für ihre Panik erforscht. Dann erarbeiteten sie gemeinsam verschiedene Techniken zur Bewahrung der Ruhe.  „Zum Beispiel die Klopftechnik“, sagt Fenja. „Da geht es darum, dass man bestimmte Punkte an seinem ganzen Körper kurz abklopft, um zur Ruhe zu kommen. Hat bei mir funktioniert.“
Ihr Coaching erstreckte sich von Ende Januar bis Mitte März, wobei sie sich alle zwei Wochen getroffen haben.
Für die kommende Klausurenphase fühlt sich Fenja gut vorbereitet. „Ein Tipp von Frau Busche ist mir besonders im Gedächtnis geblieben“, sagt sie. „Man kann in einem Fach niemals alles wissen und sollte das Lernen auch nicht so angehen, so stellt man sich nur vor eine unlösbare Aufgabe. Es ist vernünftiger, sich auf die wichtigsten Aspekte zu fokussieren.“

Geht der Spaß am Lernen verloren?

Stress im Studium ist etwas, das jeder schon mal erfahren hat. Geht es aber vielleicht auch anders? „Das Prüfungsaufkommen gegen Ende des Semesters ist für das Lernen nicht günstig. In Stresssituationen kann das Gehirn nicht optimal arbeiten.“, sagt Busche.
Zudem finden im Wintersemester die Klausuren kurz nach den Feiertagen statt. Das bedeutet, die Studierenden fahren zu ihren Familien, müssen in der Zeit aber lernen und nehmen den Stress mit nach Hause. „Da ist es wichtig, aus der unvorteilhaften Situation das Beste zu machen. Es ist immer eine Gratwanderung, Zeit mit der Familie verbringen zu wollen und für Prüfungen zu lernen. Eine gute Lernstruktur hilft hierbei, ebenso die Motivation. Ich muss wissen, wofür ich das mache“, so Busche.

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