Hochschulwahlen verzeichnen neuen Aufwind

Hochschulwahlen verzeichnen neuen Aufwind

Warum die Wahlbeteiligung stets niedrig war und welche Maßnahmen dagegen ergriffen wurden

Am 27. November fanden die jährlichen Hochschulwahlen statt. Mit einer studentischen Wahlbeteiligung, welche in den vorigen Jahren stets um die 10 Prozent betrug, schien das Interesse an Hochschulpolitik bisher mager zu sein. „Es ist natürlich schwierig, Personen zu wählen, die man nicht kennt“, äußert sich Hochschulwahlbeauftragte Berit Müller. „Studierende können mit den Namen, die auf der Liste stehen, oft nicht viel anfangen. Daher wählen sie meist Leute aus ihrem Fachbereich oder Wohnort. Zielführend für die Politik ist das aber nicht.“
Auch werde zu wenig Werbung gemacht. Einen Wahlkampf verbiete die Jade Hochschule grundsätzlich nicht, für Plakate und Aktionen müssten die Kandidaten jedoch selbst sorgen. Die Hochschule übernimmt lediglich die Organisation der Wahlen. „Um dem Problem der unbekannten Gesichter entgegenzuwirken, wurde dieses Jahr jedoch etwas Neues ausprobiert“, sagt Berit Müller. „Alle Studierenden bekamen nun eine PDF-Datei zugeschickt, wo die Kandidaten sich in einem kleinen Steckbrief selbst vorstellen konnten. Die Steckbriefe hingen wir auch an den Studienorten auf.“
Mitglied des Studierendenparlaments (kurz: StuPa) Heinrich Blaß sah den Ergebnissen dieser Wahlen zuversichtlich entgegen. „Wir haben uns dieses Jahr sehr ins Zeug gelegt, was den Wahlkampf in Oldenburg angeht, und durch Aufklärungsarbeit auch schon eine kleine Sensation erreicht: Es galt lange als unmöglich, dass es im Fachschaftsrat Bauwesen Geoinformation Gesundheitstechnologie (BGG) jemals zu Wahlen kommt, da hier 51 Sitze besetzt werden müssen. Aber dieses Jahr wurde dieses Ziel erreicht.“
Die Anstrengungen schlagen sich in den Ergebnissen nieder: Die Wahlbeteiligung lag bei 14,7 Prozent. Im Fachbereich BGG betrug die Wahlbeteiligung stolze 29,1 Prozent. Weiteres Vorbild in Sachen Wahlbeteiligung ist der Studienort Elsfleth. „Die liegt hier immer bei rund 25 Prozent, auch schon in den Jahren zuvor“, sagt Jakob Schmidt, derzeitiger StuPa-Vorstand. Er erklärt sich dies durch eine kluge Position des Wahllokals und den engeren Kontakten unter den Elsflether Studierenden.

Mögliche Wege für die Zukunft – Stichwort Listenfraktion

An der Jade Hochschule gibt es derzeit keine Listenfraktionen, also politische Verbände der Studierendenschaft, welche sich kollektiv für bestimmte Werte einsetzen. Ins Studierendenparlament werden bisher nur Einzelpersonen gewählt.
Anders sieht es an der Universität in Oldenburg aus. Die politische Landschaft wird von Fraktionen dominiert. Das macht sich auch im Wahlkampf bemerkbar: In den zwei Wochen vor den Wahlen finden sich überall Plakate und Stände der Listenfraktionen, es werden Reden gehalten und Goodies verteilt.
„Der Vorteil von Listenfraktionen ist, dass wir Sponsorengelder von Parteien bekommen können, deren Inhalte ähnlich sind“, erklärt Lenny Nörthemann, Mitglied der Fraktion „Campus Grün Oldenburg. „Als Einzelperson geht das natürlich nicht so einfach. Plakate drucken und kleine Wahlgeschenke zu verteilen, kostet Geld, das man allein schwer aufbringen kann.“
Ein weiterer Vorteil einer Fraktionsgründung sei der Wiedererkennungswert. „Eine Listenfraktion steht für spezifische Inhalte und damit können sich Studierende dann besser identifizieren, als mit Einzelkandidaten“, sagt Lenny.
Die Gründung einer Listenfraktion wäre auch an der Jade Hochschule möglich. Jakob Schmidt, Vorsitzender des Studierendenparlaments (StuPa), steht dieser Idee jedoch skeptisch gegenüber: „Ich befürchte, dass sich dann zu sehr an politischen Grundsätzen aufgehalten wird. Darum geht es in der Hochschulpolitik meistens aber nicht. Ich bin sehr zufrieden, wie es hier geregelt ist, ohne Fraktionen. Denn so können wir schneller Sachen beschließen.“

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