Café Freiblock – Es müsste nur mal einer machen

Café Freiblock – Es müsste nur mal einer machen

Wie das Projekt „Freiblock“ mehrmals starb und doch nicht tot ist

Auf die Frage, was sie anders machen würden, haben Dennis Remmers und Ferdinand Nees – beide Studenten der Jade Hochschule – nur eine Antwort: „Nichts!“. Seit Jahren stellen sie sich zusammen mit einer Handvoll Kommilitonen der Herausforderung, ohne eigenes Kapital ein Studentencafé im Herzen der Wilhelmshavener Südstadt zu eröffnen. „Ich und Carina (seine Partnerin und Mitinitiatorin, Anm. d. Red.) waren in unserer Heimat Augsburg in einem Studentencafé. Und da kam dann die Frage auf, warum es so etwas in Wilhelmshaven noch nicht gibt. Denn so richtig etwas, das nur für Studenten ist, gibt es hier ja nicht“, so Ferdinand. Dass die Eröffnung eines Studentencafés mit vielen Hürden verbunden sein wird, war ihm und Carina bereits zu Anfang klar. Knapp drei Jahre ist diese Idee nun her. Mittlerweile stand das Projekt aufgrund eines fehlenden Geschäftsführers und der damit verbundenen Verbindlichkeit der Haftung mehrfach vor dem Aus. Was als Idee erst einmal denkbar einfach wirkte, stellte sich in der Umsetzung als schwer heraus. So konnte beispielsweise die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) als Variante nicht umgesetzt werden. Diese würde nämlich bedingen keinen Gewinn zu machen. Lebensmittel in einer Gastronomie zu verkaufen, ohne dabei Gewinn zu erzielen, ist alleine schon durch die Personal- und Warenkalkulation ein kaufmännischer Albtraum. Für eine normale GmbH fand sich schlicht niemand, der das Haftungsrisiko alleine Schultern konnte – oder wollte.

Totgeglaubte leben länger

Wir wollten das Projekt vollständig in studentischer Hand wissen. So, dass die Leitung und der Betrieb immer an nachfolgende Semester und Studenten weitergereicht werden kann“, so Ferdinand weiter. Außer dem Augenmerk auf der Eigenständigkeit, wollte keiner das Risiko eingehen, sich dem finanziellen Wagnis auszusetzen, sollte doch etwas schiefgehen. Aber jemanden zu finden, der haftet, ohne dabei in den laufenden Betrieb einzugreifen, ist eine echte Herausforderung. In zahllosen Gesprächen mit Ämtern, Gremien der Hochschule, Rechtsanwälten und nicht zuletzt Vereinen und Interessengemeinschaften wurden daher viele der Hürden genommen, die dieses außergewöhnliche Konzept mit sich bringt. Die Unterstützung war von Beginn an aus jeder Richtung groß. Die Hochschule wünscht sich eine höhere Attraktivität der Stadt für ihre Studenten. Die Stadt Wilhelmshaven wünscht sich mehr Studenten im Stadtbild. Die Studenten wünschen sich einen Anlaufpunkt, der nicht auf dem am Stadtrand liegenden Campus ist, um in angenehmer Atmosphäre einzukehren.

Die Zeit läuft weg

Derzeit gibt es außerdem einen neuen Unterstützer mit betriebswirtschaftlicher Expertise: Dr. Jürgen Petzold, Dozent an der Jade Hochschule, hat sich dem Projekt der Studenten angenommen. Zu den momentanen Problemen der Haftungsfrage kommt mittlerweile aber noch ein weiteres erschwerend hinzu: Dem harten Kern läuft die Zeit weg, so Dennis: „Wir sind alle in den kommenden Semestern mit unserem Studium durch und wenn bis dahin nichts Handfestes begonnen wurde, könnte das Projekt endgültig in der Versenkung verschwinden.“ Das befürchten die Initiatoren vor allem auch deshalb, da die bis dato angesammelten Unterlagen und Erfahrungen nicht eins zu eins an künftige Planer weitergereicht werden können. Zumindest muss dann in Teilen wieder bei null gestartet werden. Denn vieles von dem, was in den vergangenen Jahren passiert ist, beruht auf persönlichen Kontakten zu Vereinen, Behörden und anderen Unterstützern. Auch ein Medienprojekt mit dem Ziel, für das Café und Konzept Öffentlichkeit zu schaffen und bei der Realisierung zu helfen konnte bisher nicht zum erhofften Erfolg verhelfen. Doch wenngleich die eigentlichen Begründer der Initiative ihr Projekt selbst vielleicht nie als Studenten in Aktion sehen, so wünschen sie sich in jedem Fall eines: die finale Realisierung. Denn Irgendeiner soll es eben schon machen.

Autor: Christoph Deuschle

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