„Fehler im System“ – Darum wurde der Notenspiegel abgeschafft

„Fehler im System“ – Darum wurde der Notenspiegel abgeschafft

Seit den Prüfungen im Wintersemester 2016/2017 brodelt die Gerüchteküche der Jade Hochschule rund um das Thema Notenspiegel. Auf Fragen zu diesem Thema entgegneten die Studierenden „Ich dachte es wäre ein Fehler im System.“ oder „Mir wurde erzählt, eine der letzten Klausuren wäre so schlecht ausgefallen, dass die Hochschule den Notenspiegel abgeschafft hat, um sich die Peinlichkeit zu ersparen.“ Doch was ist an den Gerüchten wirklich dran?

Der Anstoß für die Entscheidung kam von Prof. Dr. Ulrike Schleier, Professorin für Mathematik und Statistik im Fachbereich MIT. Seit zwei Jahren ist sie im Amt als Dekanin tätig und hat immer ein Auge auf die Gesetzeslage. Ihr fiel auf, dass sich die Hochschule mit dem Anzeigen des Notenspiegels rechtlich auf Glatteis begibt, denn damit übergeht sie das so genannte Statistikgesetz. Diesem Gesetz entsprechend ist es vorgeschrieben, statistische Angaben nur so weit zu veröffentlichen, dass sie keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen zulassen. Eine Note ist im Prinzip ein personenbezogenes Gut und darf nach §16 Absatz eins „Geheimhaltung“ des Bundesstatistikgesetzes, nicht frei zugänglich gemacht werden. Gemeinsam mit der Vizepräsidentin für Studium und Lehre, Prof. Dr. Andrea Czepek und dem Datenschutzbeauftragten der Hochschule wagte Dekanin Schleier deshalb den entscheidenden Schritt und schaffte den Notenspiegel ab.

Aber auch ein weiterer Faktor spielte in dieser Entscheidung eine wichtige Rolle. Vielen der Studenten sei nicht bewusst, dass die Durchfallquote in dem System oftmals fehlerhaft war, so Schleier. Durch diese Quote hat sich der gesamte Notenschnitt verschlechtert.

EiEZur Erklärung: Das Hochschulsystem bezieht die Studierenden, die zu einer Prüfung pflichtangemeldet, jedoch nicht erschienen sind, mit in die Durchfallquote ein. Der Durchschnitt war somit in vielen Fällen nicht repräsentativ für das Ergebnis der jeweiligen Klausur. Um diese fehlerhafte Darstellung zu umgehen, hätte ein Algorithmus auf das Hochschulsystem gelegt werden müssen. Dies wäre jedoch sehr aufwendig und kostspielig, so Schleier.

Den Notenspiegel fordern viele Studierende zurück und legten bereits Beschwerde bei Herrn Sachs, Studiendekan des Fachbereichs MIT, ein. Für diejenigen, die meinen, ohne Notenspiegel nicht leben zu können, hat Schleier jedoch einen ganz einfachen Rat: „Guck auf deinen eigenen Teller, sagte meine Mutter immer. Nehmen Sie die absolute Note also als Benotung Ihrer eigenen Leistung hin und vergleichen Sie sich nicht mit anderen. Das ist schließlich die Note, die später auf Ihrem Zeugnis steht und die Sie vertreten müssen.“

Fakt ist, dass die Gerüchte, die auf dem Campus kursieren, keinen Wahrheitswert besitzen. Die Entscheidung wurde ausschließlich aufgrund von Datenschutzrichtlinien gefällt.

Doch für die Studenten, die ihre Noten gerne im Verhältnis zu anderen bewerten, gibt es weiterhin die Möglichkeit sich eine kleine Einschätzung einzuholen. Den Schnitt ihrer Klausur dürfen Dozenten eigenverantwortlich herausgeben, solange die Datenschutzgesetze dabei eingehalten werden. Bei der Veröffentlichung eines Notenspiegels müssen die Noten von dem jeweiligen Dozenten in Gruppen zusammenfasst werden, um Rückschlüsse auf Einzelpersonen auszuschließen. Einen Vorteil hat diese Methode: Wenn der Notenspiegel eigenverantwortlich von den Dozenten berechnet wird, sind Fehler des Hochschulsystems ausgeschlossen.

Weitere Informationen zum Thema Notenspiegel und Prüfungen im Fachbereich MIT werden regelmäßig im Moodle-Kurs „Prüfungskommission FB MIT/ Vorsitzender der PK“ veröffentlicht. Der Kurs ist für alle Studenten der Jade Hochschule ohne Eingabe eines Passworts frei zugänglich.

Hier geht es zum Link.


Der Artikel wurde verfasst von Yvonne Alice Williamson.