Eine Odyssee in der Mittagspause – Der Trend geht zur bewussten Ernährung

Eine Odyssee in der Mittagspause – Der Trend geht zur bewussten Ernährung

Es ist Mittagszeit an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven und ich sehne mich nach einer vorzüglichen und vor allem sättigenden Mahlzeit. Wäre da nicht ein Problem. Bloß nicht zu viel Zucker, zu viel Salz oder gar zu viel Fleisch konsumieren – zumindest hören wir solche Aussagen immer wieder in den Medien. Nun ja, etwas Obacht bei meiner Ernährung dürfte mir sicherlich nicht schaden und auch meinen Alltag nicht besonders einschränken. Ich habe mir vorgenommen, diese Mittagspause zur Abwechslung mal möglichst gesund zu gestalten.

Die süße Versuchung zwischendurch

Nach der beendeten Vorlesung begebe ich mich in Richtung der Cafeteria, um mir erst einmal einen kleinen Snack zu genehmigen. Vor dem dortigen Snackautomaten mache ich halt und erkunde die vorhandene Auswahl. Ein Schokoriegel soll es werden, aber enthält dieser nicht doch zu viel Zucker? Dann lieber ein fruchtiger Kaustreifen. Obwohl – das Gesündeste an diesem wäre noch das anhaftende Papier am selbigen. Da fällt der Snack wohl doch komplett weg.
Wie wäre es stattdessen mit einer Erfrischung? Cola Zero sollte, wie der Name bereits andeutet, keinen Zucker enthalten und demnach in Frage kommen. Die Rückseite stimmt mich jedoch nachdenklich. Hinter den Bezeichnungen wie E 150d, E 331 und E 338 stecken doch die Zusatzstoffe Zuckerkulör, Natriumcitrat und Phosphorsäure, deren Gesundheitsgrad zweifelhaft ist. Da greife ich vielleicht doch lieber zum beliebtesten Heißgetränk: Kaffee. Jedoch las ich erst neulich, dieser sei schuld daran, dass unser Körper eigenständig schädliche Säuren bildet. Somit kann ich diesen auch vergessen und muss mich weiter umsehen.
Eine Schande, welch köstliche Möglichkeiten mir verwehrt bleiben, aber an meinem neuen Lifestyle will ich festhalten. Der wird mir doch eindrucksvoll von den Medien vorgelebt, also muss er doch auch genauso fantastisch und praktikabel sein, wie dort suggeriert wird? Mittlerweile denke ich an ein richtiges Mittagessen. Sollte ich im Gegensatz zu sonst nicht heute mal lieber etwas Warmes zu mir nehmen? Ein Glück ist die hochschuleigene Mensa nur einen Katzensprung entfernt. Die wird meinen Bedarf wohl stillen können. Ganz gewiss!

Die Tücken der Mensa

In der Mensa angekommen geht die wilde Odyssee weiter. Ich bin ich verzweifelt auf der Suche nach dem Anfang beziehungsweise dem Ende der Schlange, um mich ordnungsgemäß einzugliedern. Eine derart verwinkelte Schlange habe ich das letzte Mal in den frühen 2000er Jahren auf Nokia Handys beim Spielen von „Snake“ bestaunen dürfen. Aber selbst diese Hürde kann meiner Vorfreude auf ein baldiges Mittagessen nichts anhaben. Bekanntlich vergeht die Wartezeit mit einem unangenehmen Hungergefühl im Magen auch wie ein Seminar am Samstagnachmittag bei strahlendem Sonnenschein. Perfekt!
An der Mensatheke steht mir nun meine bisher schwierigste Prüfung bevor. Ich muss mir eine möglichst gesunde Mahlzeit aus vorgefertigten Haupt- und Nebengerichten selbst zusammenzustellen. Die Currywurstpfanne lasse ich lieber stehen, denn Wurst wurde in den Medien mehrfach als krebserregend eingestuft. Na toll! Das Nudelgratin mit seinem überbackenen Käse erscheint mir zu fettig und man kann auch nicht gerade behaupten, es handele sich dabei um gesunde Fette, die der Körper braucht. Na gut, dann wird es heute eben nur einen kleineren Snack geben. Auch okay. Die Kartoffelrösti sehen appetitlich aus, jedoch sollte ich auf den Salzgehalt in meinem Körper achten, der bitte nicht mit dem der Nordsee konkurrieren soll. Bleibt noch die Möglichkeit, mir einen Salat zusammenzustellen, aber wer garantiert mir, dass die Zutaten nicht gespritzt wurden oder gar aus einem nicht ökologischen Anbau stammen? Wo kämen wir denn dahin, wenn wir diese potenziellen Risikoquellen ignorieren? Das kann und will ich mir nicht zumuten! Dann bleibt mein Essenstablett lieber leer und ich gehe frustriert zurück. Auf die essentiellen Dinge kommt es eben an, ganz genau.

Wenigstens ausreichend Flüssigkeit!

Mit dem leeren Essenstablett in der Hand und einem niedergesenkten Haupt geht es sprachlos an der Kassiererin vorbei. Die Blicke der verdutzten Mensabesucher begleiten mich bis zum Ausgang. Ein Jammer, ist doch auch hier wieder nichts für mich dabei gewesen. Da erinnere ich mich plötzlich an den guten Rat meiner Hausärztin zurück, ich solle doch bitte stets darauf achten, zwei bis drei Liter Wasser pro Tag zu mir zu nehmen.
Zur Auffüllung meiner Wasserflasche begebe ich mich zum nächstgelegenen Waschbecken. Erleichtert, endlich etwas Geeignetes für meine Bedürfnisse gefunden zu haben, bin ich gewillt, diesen köstlichen Tropfen zu mir zu nehmen. Obwohl, lief da nicht erst kürzlich etwas über verunreinigtes Grundwasser in den Kurznachrichten? Nein danke, darauf kann ich gut und gerne verzichten. Das Wasser wird wieder ausgeschüttet. Immerhin habe ich heute meinem Körper nichts Ungesundes zugeführt. Ziel erreicht, oder? Prima!

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