Durchblick dank Eyetracking

Durchblick dank Eyetracking

Die jade.impuls zu Gast im Usability-Labor des Fachbereichs MIT

Wie Verantwortliche jedes anderen Mediums macht sich auch das Team der jade.impuls Gedanken über ihr äußeres Erscheinungsbild und die Frage, wie man auf die Leserschaft wirkt. Hier kommen oft Leserumfragen zum Einsatz, die aber einen entscheidenden Nachteil haben: Sie liefern keine Erkenntnisse darüber, wie das menschliche Auge das Produkt wahrnimmt.

Aus diesem Grund hat sich das Layout-Team der jade.impuls auf den Weg in das Usability- Labor des Fachbereichs Management, Information, Technologie (MIT) begeben – im Gepäck zwei Gestaltungsvorschläge für die Titelseite der Ausgabe 22, die im April erschien. Hier wartete ein von Laborleiter Prof. Dr. Knut Barghorn und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Maike Naumann betriebenes Eyetracking-System zur Untersuchung verschiedenster Medien und Software.

„Usability ist ein sehr wichtiges, vielseitiges Qualitätskriterium für Medien. An der Jade Hochschule ist Eyetracking gerade beispielsweise für Medienwirte und Wirtschaftswissenschaftler interessant, da man seine Produkte direkt testen kann“, so Naumann auf die Frage, zu welchem Zweck das Labor aufgebaut wurde. „In unserem Labor kann das Eyetracking an einem stationären Rechner durchgeführt werden, was sich besonders gut für Webseiten und Software eignet, oder aber mit Hilfe einer Brille bei Zeitungen, Tablets oder Smartphones.“ Die Brille ist dabei nicht viel größer als eine normale Korrekturbrille. Allerdings ist sie per Kabel mit einem Computer verbunden, an dem die Forschenden die Blickrichtung der Probanden aufzeichnen. Soll der Proband sich frei im Raum bewegen können, gebe es außerdem ein Smartphone-ähnliches Mobilteil mit Speicher, so Naumann.

In der Praxis liefert die Technologie dann Aufschluss darüber, wie Probanden mit dem Medium umgehen. Naumann verdeutlicht dies am Beispiel einer Webseite: „Man stellt den Testpersonen eine Aufgabe und kann Erkenntnisse darüber gewinnen, wie die Probanden suchen oder was und wann sie es anklicken.“ In den Lehrveranstaltungen kommt dieses

Verfahren zum Beispiel bei Laborübungen der Wirtschaftsinformatiker zum Einsatz. Hier sollen Studenten im Rahmen einer Projektarbeit selbst erstellte Webseiten mit Hilfe des Eyetrackings untersuchen.

Für eine Zeitung wie die jade.impuls sind die Erkenntnisse natürlich etwas andere. So ist es laut Naumann möglich, herauszufinden, wie Informationen platziert werden müssen, damit sie möglichst gut wahrgenommen werden – nicht nur durch die richtige Größe und Farbe, sondern zum Beispiel auch eine sinnvolle Anordnung der Artikel nach Themen.

Unsere Layouter haben sich der Frage angenommen, wo auf der Titelseite die bunten Teaser zu den unterschiedlichen Ressorts am besten wahrgenommen werden und dazu acht Probanden zwei Gestaltungsvarianten vorgelegt: Ein „klassischer“ Aufbau mit Ressort- Teasers am rechten sowie eine Variante mit Teasern am unteren Rand, wie sie auch in der aktuellen Ausgabe 23 vorzufinden ist. Nach Auswertung der Ergebnisse offenbart sich dem Team eine überraschende Erkenntnis: Der „klassische“ Aufbau der Titelseite wird gegenüber der neuen Variante bevorzugt. Außerdem offenbarte sich zum Beispiel, dass weibliche Probanden den ersten Blick eher auf das Logo der jade.impuls richten, während männliche Probanden zuerst eher auf die Titelstory schauen.

Für Moritz Widzgowski und Timo Michel, die für die kleine Studie verantwortlich waren, sind dies Erkenntnisse, die der jade.impuls in Zukunft weiterhelfen werden. Hinzu kommt eine interessante Erfahrung mit Technologie, über die beide vorher wenig wussten, und die Erkenntnis, dass man als Verantwortlicher bei einer solchen Studie auch den professionellen Umgang mit Probanden üben muss. Das weiß auch Maike Naumann: „Viele Probanden wissen kaum, was sie erwartet. Sie müssen respektvoll behandelt und über die Studie aufgeklärt werden – Eyetracking ist kein IQ-Test, sondern immer ein Test des Produkts“, wirbt sie um weitere Probanden für Studien im Usability-Labor.

Autor des Artikels: Tobias Abeling

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