Die Masterfrage – Bachelor in der Tasche und was nun?

Die Masterfrage – Bachelor in der Tasche und was nun?

Spätestens kurz vor dem Bachelor-Abschluss stehen Studierende vor der Wahl, das akademisch nächst höhere Studium dranzuhängen oder direkt in das Berufsleben zu starten. Welchen der Wege du letztendlich als den für dich richtigen wählst, ist von einigen Faktoren abhängig. Nicht in jeder Branche wird zum Beispiel ein zweiter Studienabschluss erwartet. Wie verhält es sich in unterschiedlichen Branchen, in welcher Hinsicht lohnt sich das Masterstudium oder sind die zusätzlichen zwei Jahre Pauken unter Umständen eher vergeudete Liebesmüh?
Die jade.impuls hat für euch verschiedene Hochschulangehörige der Jade Hochschule interviewt.

Frau Jähnert, rund 75 % der Bachelor-Studenten studieren weiter. Da fragt man sich doch, ob nicht der Bachelor ein Abschluss zweiter Klasse ist, wenn er offensichtlich den meisten nicht reicht?

Das würde ich so nicht sagen. Der Bachelor ist ein Grundstudium, welches mittlerweile grundsätzlich international akzeptiert ist und mit dem ein Berufseinstieg auch gelingt. Natürlich gibt es dann wieder die branchenspezifischen Unterschiede. Es gibt Bereiche, in die kommt man ohne Master nicht rein, z.B. Naturwissenschaften. Deshalb sollten sich die Studenten frühzeitig klarmachen, welche berufliche Richtung sie einschlagen wollen und sich dann über die entsprechenden Voraussetzungen informieren. Ob es die Forschung und Entwicklung oder der akademische Bereich ist, wo man definitiv den Master braucht. Ein Muss ist der Master ebenso, wenn man im öffentlichen Dienst bestimmte Positionen erreichen will, denn da gibt es ganz klare tarifliche Einstufungen. In anderen Anwendungsbieten variiert das dann sehr, aber grundsätzlich ist er auch dort nie „umsonst“.

Die Bologna-Reform von ´99 mit der das Bachelor- und Mastersystem eingeführt worden ist, hatte durchaus zum Ziel, dass man eben mit dem Bachelor ein berufsqualifizierendes Grundstudium abgeschlossen hat. Es ist natürlich schwierig, mit einem Studium von vorher fünf Jahren und jetzt drei Jahren Dauer eine gleichwertige Ausbildung zu realisieren, weil die Inhalte ja sehr gestrafft werden müssen. Allerdings bezieht sich das nur auf den Vergleich zum alten System und heutzutage ist der Bachelor weitestgehend branchenübergreifend als berufsqualifizierender Abschluss akzeptiert. Es kann aber individuell ein guter Weg sein, noch den Master anzuschließen, um sich zu spezialisieren und seine Kenntnisse auszubauen. Denn manchmal kristallisiert sich erst hierdurch eine deutliche Berufsperspektive heraus.

Worin unterscheidet sich der Master überhaupt im Gegensatz zum Bachelor?

Während im Bachelor insbesondere Grundlagen unterrichtet werden, stehen im Master vor allem eigene Projekte auf dem Stundenplan und das Wissen soll durch Eigeninitiative vertieft werden. Es gibt einmal den spezialisierenden Master, mit dem man sich auf einen bestimmten Bereich festlegt, zum Beispiel innerhalb der Wirtschaft auf den Bereich Marketing. Dann gibt es noch den konsekutiven Master, der auf den Grundkenntnissen aus dem Bachelor-Studium aufbaut und diese noch vertieft.

  • Marlen Jähnert, Zentrale Studienberatung Jade Hochschule in Wilhelmshaven

 

Viele Studierende starten ihr Masterstudium, um danach einen guten Job zu finden oder später mehr Geld zu verdienen. Aber braucht man dafür wirklich den Master? Wie unterscheiden sich Ihrer Meinung nach die Aufstiegschancen zwischen Bachelor- und Masterabsolventen? Dozenten der Jade Hochschule aus verschiedenen Fachbereichen und Studiengängen schätzen die Lage ein.

Herr Prof. Dr. Schmoll, welche Rolle spielt der Master Ihrer Meinung nach für den erfolgreichen Karrierestart im Bereich Wirtschaft? Es heißt ja immer wieder, der Bachelor reiche dort in der Regel für einen Berufseinstieg aus.

Ja, für einen erfolgreichen Jobeinstieg in der Wirtschaft ist ein Master nicht erforderlich. Mit einem guten Bachelorabschluss können der Berufseinstieg und der folgende Karriereweg ebenso gut gelingen. Grundsätzlich bereitet der Master jedoch noch stärker und fokussierter auf eine spätere Übernahme von Führungspositionen in Unternehmen vor. Letztlich sind die Bachelor- oder Masterurkunden der Schlüssel, um in gewissen Positionen einzutreten. Die weitere Karriere wird aber auch maßgeblich von den erlernten Skills und Fähigkeiten abhängig sein und davon, inwieweit jemand auch bereit ist, sich weiterhin fortzubilden. Die im Studium erlernten Kompetenzen bilden letztlich nur das Fundament, auf dem es weiter aufzubauen gilt. Mit einem Masterstudium ist dieses Fundament bereits umfangreicher und stärker. Studien zeigen uns zudem, dass ein Master-Absolvent langfristig im Durchschnitt etwas mehr verdient als ein Bachelor-Absolvent.
Beide Wege sind aber gute Wege – direkt weiter zu studieren, wenn ich bereits weiß, wohin ich möchte. Oder aber erst einmal in die Praxis zu gehen, um dann später über einen Master gezielt weitere Skills zu erhalten. Diese Flexibilität ist sicherlich auch einer der großen Vorteile des Bachelor-Master-Konstruktes gegenüber dem früheren Diplom.

  • Prof. Dr. Enno Schmoll, Prodekan Fachbereich Wirtschaft an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven

 

Herr Prof. Dr. Beckmann, wie schätzen Sie die Bachelor-Master-Situation in der Architektur-Branche ein?

Bei uns im Fachbereich Architektur sagen wir immer, dass die Kombination von Bachelor- und Masterstudium einen Generalisten bzw. eine Generalistin der Architektur vollständig ausbildet. Wir sehen den Master in Architektur nicht als eine Spezialisierung, sondern eher als eine Vertiefung der bereits im Bachelor erlernten Kenntnisse und Fähigkeiten. Das Studium wird dabei insgesamt etwas komplexer und umfasst mehr Projekte, die die einzelnen Themengebiete miteinander verknüpfen. So arbeiten die Studierenden dann zum Beispiel an einem Bauprojekt, welches sowohl gestalterische, entwurfs- und konstruktionstechnische als auch bauphysikalische Anforderungen an sie stellt.

In der Architektur gibt es die Besonderheit, dass man mindestens acht Semester studiert haben muss, um in die Architektenkammer aufgenommen werden zu können. Diese Eintragung ist quasi Voraussetzung dafür, sich „Architekt“ nennen zu dürfen und eigenständig Bauanträge einreichen zu dürfen. Zwei Jahre Praxis sind dafür ebenso nötig. Bewusst bieten die meisten Architekturfakultäten deutscher Hochschulen aber nur einen sechssemestrigen Bachelor an, damit die Studierenden quasi gezwungen sind, noch den Master zu machen. Man ist sich in dem Fall einig, dass die Komplexität des Berufes ein vertiefendes Masterstudium verlangt, damit die Absolventen dann voll berufsfähig sind. In unseren Fachbereich bieten wir einen sechssemestrigen Bachelor und einen viersemestrigen Master an. Die Masterquote liegt bei uns ungefähr bei 50 Prozent, was im Vergleich zu anderen Fachbereichen schon sehr hoch ist.

Es ist nun nicht so, dass Bachelorabsolventen mit ihrem Abschluss in der Branche nichts anfangen könnten. Sie können beispielsweise schon sehr früh im Architekturbüro arbeiten und haben dann etwa mit Konzeption und Entwürfen zu tun. Allerdings dürfen sie sich nicht Architekt nennen, keine Bauanträge stellen und natürlich auch kein eigenes Architekturbüro eröffnen. Das Gehalt ist auch mit einem Master-Abschluss entsprechend der damit einhergehenden höheren Positionen in den meisten Fällen höher.

  • Prof. Dr.-Ing. Lutz Beckmann, Dekan Fachbereich Architektur Jade Hochschule in Oldenburg

 

Frau Prof. Dr. Nowak, der Medienbranche wird ja oft nachgesagt, dass dort der Abschluss gar nicht so viel zählt, sondern eher das praktische Know-how, die Praxiserfahrung und vor allem Kontakte? Wie sehen Sie das?

Ob überhaupt ein Abschluss vorhanden ist, das zählt auf jeden Fall – gerade für den Berufseinstieg. Der Studienabschluss zählt aber unter Umständen auch dann, wenn es später um den karrieretechnischen Aufstieg geht. Ein Master ist aber in der Regel im Medienbereich nicht so wichtig. Das hängt allerdings auch besonders von dem Unternehmen ab, in dem man arbeiten möchte. Ein durchaus wichtiger Arbeitgeber ist zum Beispiel ein großer Konzern mit einer großen Unternehmenskommunikation, und da spielt eben schon der Abschluss eine Rolle. Je größer das Unternehmen, desto strukturierter ist auch dessen Personalrekrutierung. Man achtet dann zum Beispiel mehr auf formale Dinge, weil man angesichts der vielen Bewerber ja irgendwie eine Auswahl treffen muss. Bei einer kleineren Agentur beispielsweise spielt das eher nicht so eine große bis keine Rolle.

Die Bereiche öffentlicher Dienst und Wissenschaft sind im Medienbereich im Übrigen nur unbedeutende Arbeitgeber, insofern besteht also von der Seite aus in der Regel keine Notwendigkeit des Masters. Der Journalismus ist nochmal ein Sonderfall. Ein Studienabschluss ist hier wichtig, das ist dann der Bachelor. Dann ist es aber durchaus üblich, dass man nochmal eineinhalb bis zwei Jahre ein Volontariat macht, und das ist auch noch nach dem Master die Erwartungshaltung. Und so ein Volontariat kriegen Bewerber nur, wenn sie vorher eben schon journalistische Erfahrungen gemacht haben, insofern ist die Praxiserfahrung im Medienbereich insgesamt sehr entscheidend. Ich halte es für wichtig, dass man schon während des Studiums Praxiserfahrung bekommt – durch Praktika, Nebenjobs oder Freiberuflichkeit.

Und wie wirkt sich der Master Ihrer Meinung nach auf das Gehalt aus?

Für eine solche Aussage ist die Medienbranche einfach nicht einheitlich genug, die Gehälter unterscheiden sich in erster Linie nach der Größe des Unternehmens. Deshalb ist es schwierig, zu beurteilen, ob sich der Master konkret finanziell lohnt. Der Zusammenhang ist da nicht so gegeben wie zum Beispiel bei Ingenieuren.

  • Prof. Dr. Eva Nowak, Studiengangsleiterin Medienwirtschaft und Journalismus an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven

 

Herr Prof. Dr. Kirstges, ist der Master im Tourismuswirtschaft-Bereich für einen Berufseinstieg oder die Karriere von Nöten?

Den Master braucht man im Tourismusbereich ganz eindeutig nicht unbedingt für die Karriere. Sowohl der Berufseinstieg als auch der Aufstieg sind im Tourismus meiner Erfahrung nach unabhängig vom Masterabschluss. Auch um Führungskraft zu werden, ist ein Master in dem Bereich nicht unbedingt erforderlich. Das zeigt sich auch an den Zahlen im Fachbereich. Von den Studenten, die ich beim Abschluss betreue, machen vielleicht höchstens 20 Prozent einen Master. Der Master kann bei einer Bewerbung in der Tourismusbranche dann von Vorteil sein, wenn er mich genau für diese Stelle noch mehr qualifiziert als den Bachelor-Kandidaten. Allerdings ist ein Bachelorstudium ja praxisorientierter und als Unternehmen könnte ich auch Wert darauf legen, dass der Bewerber noch diesen frischen Bezug zur Praxis hat.

Außerdem sind Master-Absolventen meist älter und haben höhere Gehaltsvorstellungen als Bewerber mit Bachelor-Abschluss. Zudem ist es vielen Arbeitgebern heutzutage wichtiger, dass die Mitarbeiter motiviert sind und sich mit der Firma identifizieren können. Persönliche und soziale Kompetenzen gewinnen zunehmend an Bedeutung gegenüber dem formalen Abschluss.

Man sollte auch nicht annehmen, der Master sei eine Zeit, in der man sich selbst finden kann. Wer sich durch den grundlegenden Bachelor-Studiengang noch nicht ausreichend in seiner Person und seinem Know-how geformt fühlt, der sollte erst einmal Praxiserfahrung sammeln. Idealerweise beginnt man damit aber schon während des Bachelor-Studiums, zum Beispiel durch Praktika oder Nebenjobs. Ich denke, damit qualifiziert man sich für einen Berufseinstieg in dem Fall mehr.

Bekomme ich denn auch nicht mehr Gehalt, wenn ich den Masterabschluss vorweisen kann?

Nein, in der Tourismusbranche kriegt der Master-Absolvent nicht automatisch mehr Gehalt. Die Notwendigkeit ist ja nicht gegeben und dementsprechend wird der Abschluss auch nicht pauschal mehr honoriert. Der Einzelne muss für sich selbst abwägen, ob der Master sinnvoll ist oder nicht. Schließlich steigen Master-Absolventen auch später in das Berufsleben ein, ihnen fehlt also Praxiszeit, die die Bachelors ihnen schon voraushaben, und sie verdienen auch erst später Geld.

  • Prof. Dr. Torsten H. Kirstges, Studiengangsleiter für Tourismuswirtschaft an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven

 

Herr Prof. Dr. Klafft, wie steht es um den Master in der IT-Branche? Ist er für eine Karriere notwendig, oder reicht der Bachelor aus?

Das kann man insofern schwierig sagen, als dass es ja einmal die Informatik-Branche im Sinne von Software-Produzenten gibt und andererseits gibt es natürlich auch die Unternehmen, die Informatiker anstellen. Meiner Ansicht nach ist der Master im Allgemeinen in der IT-Branche nicht unbedingt von Nöten, um dort Karriere zu machen. Es gibt allerdings auch hier die zwei Ausnahmen im Wissenschaftsbereich und dem öffentlichen Dienst. In den Bereichen ist der Master dann ein Muss, ansonsten kann man ihn natürlich aber immer freiwillig machen, muss es aber nicht. Gerade im Informatik-Bereich kann man sich natürlich auch selbstständig machen und ist dann sein eigener Chef, dann zählen eben nur die Referenzen. Im Mittelstand gehe ich auch davon aus, dass für das Erreichen von Führungspositionen nicht unbedingt ein Master von Nöten ist. Höchstens bei Großkonzernen im IT-Bereich, von denen es in Deutschland nur zwei oder drei gibt, könnte ich mir vorstellen, dass da höhere Qualifikationen vorhanden sein müssen.

Diejenigen, die bei uns ihren Bachelor in Wirtschaftsinformatik gemacht haben, kriegen in der Regel auch schnell Stellenangebote bzw. Jobs. Der Bachelor ist von daher, denke ich, gut etabliert und in der IT-Branche werden ja sowieso konstant qualifizierte Fachkräfte gesucht. Wenn das Unternehmen feststellt, dass die Angestellten noch eine Spezialisierung benötigen, dann bieten sie diese Schulung oft auch selber an.

  • Prof Dr. Michael Klafft, Studiengangsleiter Wirtschaftsinformatik an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven

 

Frau Jähnert, was können sie Studierenden empfehlen, die kurz vor dem Bachelor-Abschluss noch immer nicht wissen, welchen Schritt sie als nächstes gehen sollen?

Die erste Empfehlung wäre immer: „Mache dir deine beruflichen Ziele klar und recherchiere, was dafür verlangt wird.“ Für sowohl die meisten Berufe als auch Masterstudiengänge gibt es feste Bewerbungsfristen und Zugangsvoraussetzungen. Studierende sollten auch in jedem Fall auf ihr Herz und ihr Interesse hören. Und selbst wenn man im Nachhinein feststellt, dass man lieber eine andere Entscheidung getroffen hätte, kann man ja immer noch das Masterstudium abbrechen oder eben aufnehmen. Je länger man allerdings derartige Überlegungen über seine Zukunft ignoriert, desto schwerer wird es auch, entsprechende Schritte zu gehen. Also: Tun und im Zweifelsfall anpassen ist die Devise. Da gibt es allerdings kein pauschales Rezept. Wichtig ist auch, dass die jungen Menschen sich klarmachen, dass der Weg, den sie nach dem Bachelor gehen, nicht der letzte Job oder die letzte Tätigkeit in ihrem Leben bestimmen wird.

  • Marlen Jähnert, Zentrale Studienberatung Jade Hochschule in Wilhelmshaven

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