Deutsch-französische Teams programmieren Apps

Deutsch-französische Teams programmieren Apps

Seit 2014 findet einmal jährlich das Projekt „Development of cross-platform smartphone-apps“ statt. Die Basis bildet die langjährige Kooperation zwischen dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Jade Hochschule und dem Institut Universitaire de Technologie (IUT) der Universität Bordeaux.
In jedem Durchgang programmieren deutsch-französische Teams verschiedene Apps. In diesem Jahr sind es sieben Teams mit jeweils zwei deutschen Studenten und fünf bis sieben französischen Studenten. Zu Beginn jedes Wintersemesters reisen die deutschen Teilnehmer für eine Woche nach Bordeaux. In dieser Zeit lernen sich die Deutschen und Franzosen gegenseitig kennen und es werden Gruppen gebildet. Außerdem beschäftigen sie sich mit den Grundlagen in den benötigten Programmiersprachen HTML5, CSS, MySQL und JavaScript.

Auch Jelto Schumacher, Student im Fach Medizintechnik, nahm an der Reise nach Bordeaux im September dieses Jahres teil. Er war positiv überrascht von der Aufgeschlossenheit der Franzosen. Das Vorurteil, dass Franzosen sich nur ungern in einer anderen Sprache als Französisch unterhalten, habe sich nicht bestätigt.
Jelto und sein Team programmieren eine App, die im Umkreis von fünf Kilometern um die Jade Hochschule Wilhelmshaven und die Universität Bordeaux Recycling-Stationen gespeichert hat. Die App soll den Nutzer zur gewünschten Station navigieren. Dafür arbeitet das neunköpfige Team mit dem Programm Intel XDK. Mit dessen Hilfe können Apps programmiert werden, die für die Betriebssysteme iOS, Android und Windows Mobile geeignet sind. „Ich habe sonst immer gedacht, dass das Programmieren von Apps echt schwierig sein muss, aber mit Intel XDK ist es relativ einfach“, schildert Jelto seine Erfahrung. Jedoch dürfe man sich nicht ärgern, wenn eine Anweisung, die jemand geschrieben hat, bei den ersten Versuchen nicht gelingt. „Wenn es nicht funktioniert, macht man es halt nochmal“, berichtet der 26-Jährige.

Problematisch sei die Kommunikation in seinem Team, erzählt er weiter. Seit der Rückkehr von der einwöchigen Reise nach Bordeaux arbeiten die französischen Teammitglieder in Bordeaux und die deutschen Teammitglieder in Wilhelmshaven an der App. Für Absprachen steht den Studenten Adobe Connect, eine Software für Online-Konferenzen, zur Verfügung, doch wird diese in der Praxis von seiner Gruppe nicht genutzt. Sein Team tauscht sich über einen Gruppenchat bei Facebook aus. Jelto würde sich wünschen, dass die französischen Studenten sich mit dem Programm Adobe Connect auseinandersetzen, da es mehr Möglichkeiten biete, als ein Gruppenchat bei Facebook.
Projektleiter und Lehrender Heiner Köster sowie die Lehrenden im Projekt Udo Willers und Olaf Fischer sind sich dieser Problematik bewusst. „Die Kommunikation zwischen zwei Kulturkreisen ist grundsätzlich schwierig“, so Fischer. Es sei für viele der teilnehmenden Studenten das erste Mal, dass sie mit Personen aus einem anderen Land zusammenarbeiten. Dabei gebe es natürlich auch Stolperfallen. Fischer erklärt, dass beispielsweise Kritik in Deutschland sehr direkt und offen angesprochen werde, während man in Frankreich andere nur indirekt kritisiere.

Im Januar werden erstmalig auch die französischen Studenten nach Wilhelmshaven reisen. Die Apps sollen dann soweit ausgearbeitet sein, dass sie theoretisch auf den Markt gebracht werden könnten. In Abschlusspräsentationen werden die Teilnehmer dann ihre Ergebnisse vorstellen. Jedoch erhalten nur die deutschen Studenten Creditpoints für das Projekt, da es sich um ein Wahlpflichtfach handelt. Die französischen Studenten werden nicht bewertet.

Da sich die Teilnehmer nur mit 100 Euro pro Person an den anfallenden Kosten beteiligen, entstehen insbesondere durch die Reise nach Frankreich jährlich Kosten in Höhe von rund 10.000 Euro für die Jade Hochschule. Gefördert wird das Projekt durch den Internationalisierungsfonds – zunächst begrenzt auf eine Dauer von fünf Jahren. Somit wäre der letzte Durchgang im Jahr 2018. Jedoch sind sich sowohl die deutschen als auch die französischen Dozenten, die das Projekt begleiten, einig, dass es sich bewährt habe. Daher möchten sie nach Ablauf der fünf Jahre wieder eine Förderung beantragen. Möglich sei auch eine Finanzierung durch EU-Gelder, erläutert Willers die aktuellen Überlegungen über den Fortgang des Projekts.

Die Kooperation zwischen dem Fachbereich Ingenieurwissenschaften der Jade Hochschule und dem Institut Universitaire de Technologie der Universität Bordeaux besteht derzeit aus zwei weiteren Projekten. Möglicherweise wird es bald darüber hinaus ein weiteres Angebot für Studenten geben: Im Gespräch ist ein gemeinsamer, englischsprachiger Studiengang im Rahmen der Deutsch-Französischen Hochschule. Im Januar, wenn die französischen Partner in Wilhelmshaven zu Gast sind, wird weiter über die Umsetzbarkeit dieser Idee gesprochen.

Autorin: Kira Jacobs
Bildquelle: Die Projektteilnehmer haben sich die Arbeit aufgeteilt und arbeiten zurzeit an der Programmierung – Bildrechte liegen beim Autor