Der Spagat zwischen Leistungssport und akademischer Ausbildung

Der Spagat zwischen Leistungssport und akademischer Ausbildung

Für viele Sportler ist es ein Traum, das Hobby zum Beruf zu machen. Talent, die Freude am Sport und die öffentliche Aufmerksamkeit – es gibt genügend Gründe für eine Karriere im Leistungssport. Doch was ist, wenn einem die nicht genügt, sondern nebenbei noch ein Studium aufgenommen wird?
Die jade.impuls hat für euch einen Sportler ausfindig gemacht, der solch ein ehrgeiziges Vorhaben in Betracht zieht.
Der 24-jährige Angelo Grunz spielt seit dem Februar auf der Position des Torhüters für den Wilhelmshavener HV in der zweiten Handball-Bundesliga. Derzeit überlegt er allerdings, sich ein weiteres Standbein neben der professionellen Karriere aufzubauen. „Ich habe schon häufiger darüber nachgedacht, ein Studium zu beginnen, aber den Gedanken aus Zeitgründen immer wieder verworfen. Durch meinen Beruf bin ich zeitlich stark eingeschränkt“, sagt er.

Der straffe Zeitplan

Seit seiner frühen Kindheit widmet der gebürtige Berliner seine Zeit dem akrobatischen Abwehren von Bällen, die auf sein Tor zufliegen. In der zweiten Handball-Bundesliga angekommen, machte sich der enge Terminkalender deutlich bemerkbar. „Wir trainieren zwei Mal pro Tag von Montag bis Freitag. Morgens wird selbstständig im Kraftraum an der Fitness gearbeitet und abends gemeinsam in der Halle mit dem kompletten Team trainiert. An den Wochenenden finden dann die Meisterschaftsspiele statt“, erklärt Grunz.
Neben den Trainingseinheiten muss er jedoch auch weitere Pflichten im Rahmen der Außendarstellung des Vereins wahrnehmen. „Es stehen auch immer wieder Sponsorentermine, Pressetermine oder Treffen mit Fanclubs auf meinem Terminkalender. Durch diese festgelegten Termine ist es mir oftmals nicht möglich, flexibel zu sein“, sagt er.
Es leuchtet ein, dass der Alltag gut strukturiert sein muss, um die notwendigen Vorkehrungen für einen ausgezeichneten Fitnesszustand zu schaffen. Wer nun allerdings denkt, dass es alleine auf die körperliche Fitness ankommt, der irrt sich. „Auch mein Kopf muss frei von störenden Gedanken sein. Das ist gar nicht so einfach, wenn ich den Großteil meiner Zeit mit dem Sport verbringe“, erzählt Grunz offen.

Den Horizont erweitern

Abhilfe bei diesem Problem könnte auch ein Studium schaffen. Denn dieses bietet dem Profi einen zusätzlichen Pfad, der ihn aus der Sportblase herausführt.
„Wenn ich mich mit neuen Dingen auseinandersetze, dann kann ich mich vom sportlichen Alltag kurzzeitig lösen und mich somit erholen. Gleichzeitig kann ich mit einem Studium auch an meinem Leben nach der sportlichen Karriere arbeiten. Ich weiß schließlich nicht, wie lange ich aktiv werde spielen können. Mit dem Studium verbinde ich da schon eine sichere Zukunft“, so Grunz.
Nicht nur der Wissensstand wird während eines Studiums aufgebessert, sondern auch das soziale Umfeld verändert sich. „Es reizt mich sehr, neue Leute außerhalb des Sports kennenzulernen. Dadurch kann ich weitere Erfahrungen sammeln und noch mehr vom Alltag abschalten“, erzählt der 24-Jährige.
Die mögliche Fachrichtung seines künftigen Studiums hat er bereits ausgewählt: „Eindeutig Wirtschaft. Die allgemeinen Vorgänge innerhalb der einzelnen Wirtschaftssektoren finde ich wahnsinnig interessant und ich erfolge sie auch bereits seit längerem aktiv. Ich bin auch immer auf der Suche nach Möglichkeiten, sinnvolle Investitionen zu tätigen“, fährt Grunz fort.

Fokus auf das Wesentliche

Es stellt sich allerdings die Frage, ob es möglich ist, beide Laufbahnen unter einen Hut zu bringen. Falls neben dem Sport und dem Privatleben noch ein Studium hinzukommt, wird es zunehmend schwieriger, ein ausgeglichenes Leben zu führen.
„Meine größte Sorge ist es, dass ich den Fokus verliere und dann alle Bereiche darunter leiden. Bei meiner sportlichen Karriere möchte ich auf keinen Fall zurückstecken. Der Sport und meine Familie stehen für mich immer an erster Stelle. Im Zweifel würde ich somit weniger Zeit ins Studium investieren und das könnte unangenehme Folgen haben“, sagt Grunz.
An einen normalen Studienverlauf ist ohnehin nicht zu denken. Dafür ist die gesamte Lebenssituation zu komplex und unflexibel in der Zeitgestaltung. Heutzutage lassen es jedoch viele Studiengänge zu, das Studium relativ selbstbestimmend zu gestalten und ein eigenes Tempo festzulegen. Auch die Regelstudienzeit ist keine absolute Vorgabe. Die Möglichkeiten während eines Studiums sind vielseitig und bieten genug Optionen, um den optimalen Weg für sich zu erschließen.
Ob Angelo Grunz es wagt, zeitnah ein Studium an der Jade Hochschule aufzunehmen, entscheidet sich bereits in den kommenden Wochen. „Ich werde mir bis zum Sommer nochmals alles gut überlegen und dann eine Entscheidung treffen. Es wäre schon ein ziemlich großer Schritt und den will ich nicht voreilig treffen, ohne mit meiner Familie vorher darüber zu sprechen“, betont er.

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