Das Papercube begeistert in Indien

Das Papercube begeistert in Indien

Andreas Baumgart integriert Vorlesungsinhalte zum Angucken und Anfassen in seine Informatik-Vorlesungen für Wirtschaftsingenieure. Das Papercube ist eine Anlage, die mit dem „Mindstorms“-System des Spielwarenherstellers Lego realisiert wurde. Sie kann durch eine Java-Programmierung Papierwürfel produzieren. Mithilfe des Papercubes möchte Baumgart den Studenten die Programmierung veranschaulichen.

Diese außergewöhnliche Herangehensweise, Inhalte zu vermitteln, stößt auch außerhalb des Hochschul-Campus auf großes Interesse. Nachdem Baumgart die Anlage bereits in Hannover auf der IdeenExpo und bei der World Robot Olympiad (WRO) in Katar präsentiert hatte, reiste er Ende November nach Neu-Delhi in Indien. Dort fand die diesjährige WRO statt, ein internationaler Wettbewerb für Kinder und Jugendliche, die diese für Technik und Naturwissenschaften begeistern soll. Fabrice Weinberg, Student im Fach Wirtschaftsinformatik, ist gemeinsam mit Baumgart dorthin gereist. Er arbeitet als studentische Hilfskraft bereits seit anderthalb Jahren mit an dem Projekt.
Neben den Wettbewerben gibt es bei der WRO auch einen Ausstellungsbereich mit sogenannten „Mindstorms Experts“. Lego Education lädt für diesen Bereich Personen aus verschiedensten Ländern ein, die besondere Projekte mit Lego, wie etwa das Papercube, realisiert haben. Neben Deutschland waren beispielsweise auch Großbritannien und Griechenland vertreten.

papercube

Baumgart hat das Papercube gemeinsam mit zwei studentischen Hilfskräften seit der Ausstellung im vorigen Jahr in Katar weiterentwickelt. Das Papier wird nicht mehr mit einem Messer, sondern mit einem Laser geschnitten. Erst durch diese Veränderung ist ein vollautomatischer Produktionsprozess vom Blatt Papier bis zum fertigen Würfel möglich.

Während des einwöchigen Aufenthalts in Indien wollten Baumgart und Fabrice vor allem zeigen, dass Lego nicht nur ein Spielzeug sei, sondern auch sehr effektiv für die Lehre eingesetzt werden könne. Hierfür konnten sich die Besucher, Teilnehmer und Organisatoren der WRO den Fertigungsprozess vor Ort sowie ein Video ansehen, das ebenfalls alle Schritte der Produktion zeigt.
Die Reaktionen seien durchweg positiv gewesen, berichtet Fabrice. Vor allem die vollautomatische Herstellung der Papierwürfel ohne ein einziges Eingreifen durch einen Menschen habe für Begeisterung gesorgt. „Die Kinder fanden es natürlich spektakulär“, erzählt der 25-Jährige. Schön fand der Student, dass die Anerkennung für die Zeit und Arbeit, die sie in das Projekt investiert haben, groß gewesen sei. Auch hätten Interessierte erkannt, welchen Nutzen die Anlage für die Lehre habe.

Die meiste Zeit haben Fabrice und Baumgart in Indien auf der Messe verbracht. In den ersten drei Tagen mussten Vorbereitungen getroffen werden. Die Anlage haben sie für die Reise in drei Koffern verpackt. Da die Zeit zum Aufbauen in der Veranstaltungshalle nicht ausreichte, haben sie sie teilweise schon im Hotel wieder zusammengebaut. Außerdem hatten sie die Gelegenheit, die anderen Aussteller zu treffen. Während gemeinsamer Ausflüge konnten sie sich über ihre Projekte und Erfahrungen austauschen.
Problematisch sei die kurze Zeit zum Auf- und Abbau der Anlage in der Veranstaltungshalle gewesen. Außerdem sei die Woche durch die zahlreichen Eindrücke, lange Tage und den Hin- und Rückflug sehr anstrengend gewesen. Insgesamt ist Fabrice aber begeistert von der Reise: „Für die Erfahrung hat es sich allemal gelohnt.“

Nicht nur die WRO, auch Indien hat bleibende Eindrücke bei Fabrice hinterlassen. So berichtet er von einem Kulturschock. Zwar war er sich bereits im Vorhinein darüber im Klaren, dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich dort sehr ausgeprägt sind. „Aber das so dicht aneinander, das hätte ich mir nicht vorgestellt“, schildert der Wirtschaftsinformatik-Student.

Wieder zurück in Deutschland konzentrieren sich Baumgart und Fabrice nun auf die Weiterentwicklung des Papercubes als Lehrprojekt. Sie erstellen weitere Aufgaben, die Studenten in der Vorlesung lösen können. Und möglicherweise dürfen sie das Papercube nächstes Jahr wieder auf der WRO präsentieren. Dann findet sie in Costa Rica statt. Voraussetzung ist, dass sie erneut von Lego Education eingeladen werden.

Autorin: Kira Jacobs
Bildquellen:
Fabrice zeigt Interessierten den Produktionsprozess auf der WRO – Bildrechte bei Andreas Baumgart
Das Papercube produziert vollautomatisch Papierwürfel – Bildrechte bei Justine Prüne und Finn Rose