Das letzte GLOBE-Theater Deutschlands

Das letzte GLOBE-Theater Deutschlands

Das GLOBE-Theater in Oldenburg ist das Überbleibsel einer vergangenen Zeit. Errichtet 1955 während der britischen Besatzung Norddeutschlands, nach dem Zweiten Weltkrieg, sollte es den dort stationierten englischen Soldaten und Familien ein Gefühl von Heimat vermitteln. Etwa zwei Jahrzehnte stand das Gebäude leer und war dem Verfall überlassen. Doch im letzten Jahr gründete sich die GLOBE-Kulturgenossenschaft, um das geschichtsträchtige Kino zu schützen und in ein Kulturzentrum zu verwandeln. Die jade.impuls berichtet über die Entstehung und Pläne der GLOBE eG. Ebenso sprachen wir mit dem Kulturhistoriker Dr. John Goodyear hinzugezogen, welcher aufgrund seiner Lehraufträge zwischen der Birmingham University und der Jade Hochschule pendelt und aktuell an der Vergangenheit des GLOBE-Theaters forscht.

Alter Kinozauber

Von außen macht das Gebäude einen unscheinbaren Eindruck. Das GLOBE-Theater steht als schlichter Backsteinbau in Donnerschwee, Oldenburg. Doch im Inneren des GLOBE offenbart sich seine alte Schönheit. Der Saal, das Herzstück des Bauwerkes, erinnert an die klassischen Bilderbuchkinos: Mit Lederpolstern bespannte Wände säumen die Zuschauertribüne. Die Bühne mitsamt Leinwand wird von schweren blauen Vorhängen geziert.
„Als ich das Gebäude das erste Mal betrat, dachte ich, ich hätte eine Zeitreise ins alte Großbritannien gemacht“, schildert Kulturhistoriker Dr. Goodyear seine Eindrücke.
Doch das Alter des Gebäudes ist unverkennbar: Das verbaute Holz ist verbraucht, die Farbe bröckelt überall ab und die alte Deckenbeleuchtung funktioniert nicht mehr.
Doch die hinteren Sitzreihen im Saal sind von Absperrbändern umgeben und lassen darauf schließen, dass sich das Gebäude im Wandel befindet.

Die Zukunft des GLOBE und die Kulturgenossenschaft

In Deutschland existieren noch drei GLOBE-Theater, jeweils eines im nördlichen Ruhrgebiet, in Todendorf Schleswig Holstein und Oldenburg. Die erst genannten beiden Kinos befinden sich jedoch in einem so schlechten Zustand, dass sie vermutlich nicht mehr gerettet werden können.
Im April 2017 gründete sich deshalb die GLOBE Kulturgenossenschaft, um das inzwischen rund 20 Jahre leerstehende GLOBE-Theater in Oldenburg zu sanieren.
„Wir wollen das GLOBE-Theater zu einem Kulturzentrum verwandeln, für Konzerte, Theater, Filmvorführungen und andere mögliche Veranstaltungen“, erklärt Genossenschaftsmitglied Mathias Metz. Er ist unter anderem für das Marketing des GLOBE zuständig und hilft beim Organisieren der monatlichen Öffnungen des Theaters.
Ihr Ziel verfolgt die Kulturgenossenschaft ehrgeizig. Den ersten Meilenstein stellt der Erwerb des Gebäudes dar. Der Kaufpreis belief sich auf rund 240.000 Euro, aber durch das Engagement von mittlerweile über 600 Genossenschaftsmitgliedern und großzügigen Spendern konnte die Summe bereits aufgebracht werden. Nun sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis alle bürokratischen Weichen für den Verkauf gestellt seien.
„Das Projekt entwickelt sich im Bezug auf die Verwirklichung der Ziele sehr positiv, da die passenden Menschen zum richtigen Zeitpunkt zusammengetroffen sind“, so Metz.
Alle Genossenschaftsmitglieder arbeiten ehrenamtlich in dem Projekt. Auch Studierende sind dazu eingeladen, zu helfen. „Im Moment sind wir auf der Suche nach einem Datenschutzbeauftragten, aber darüber hinaus ist jede helfende Hand willkommen. Um sich zu engagieren, muss man auch nicht zwangsläufig Mitglied der Kulturgenossenschaft sein“, führt Metz weiter aus.
Als nächstes soll das Dach in Stand gesetzt werden.
In weiterer Zukunft sei geplant, Teile der Räumlichkeiten des GLOBE für Feierlichkeiten und als Proberäume zu vermieten. Auch von einem Besuchercafé im Obergeschoss ist die Rede.
„Wir als Genossenschaft hoffen auf städtische, staatliche oder gar europäische Förderung“, erklärt Metz. Der Bund ist überzeugt von dem Projekt: Jüngst kam aus Berlin ein Förderbescheid in Höhe von 470.00 Euro. „Jetzt benötigen wir weiteres Eigenkapital“, sagt Metz

Dr. John Goodyear (links) und Duncan Howson in ihrem Büro mit britischem Flair.

Was macht das GLOBE so besonders?

Warum das GLOBE-Theater weitaus mehr ist als ein bloßes Gebäude, wird durch Dr. Goodyears Forschung deutlich. Er sieht das Kino als Ankerpunkt der Vergangenheit, welche die deutsche und britische Nation miteinander verbindet. Durch seine Arbeit erhofft er sich ein näheres Zusammenrücken der beiden Länder und möchte möglichst viele Menschen dafür begeistern, sich mit deutsch-britischer Kulturgeschichte auseinanderzusetzen. Er plant deshalb, seine Ergebnisse in einem Buch zu veröffentlichen.
Die Forschung am Gebäude wird durch Stipendien aus Birmingham und Deutschland gefördert. An der Jade Hochschule unterstützt ihn Duncan Howson, Lehrkraft für besondere Aufgaben und selbst Genossenschaftsmitglied.
Zu Dr. Goodyears Aufgaben gehören die Suche nach Zeitzeugen, um sie zu befragen, und die Überprüfung historischer Dokumente, zum Beispiel alter Baupläne. Die Vergangenheit so wahrheitsgetreu wie möglich zu rekonstruieren, ist dabei nicht so leicht, wie man glaubt. Und dass, obwohl das GLOBE-Theater nicht einmal 65 Jahre alt ist.
„Zum Beispiel war es in GLOBE-Theatern der Literatur nach verboten zu rauchen, Zeitzeugen berichteten mir jedoch das Gegenteil. Nun wollen wir die Decke des Theaters nach Rußrückständen prüfen“, verdeutlicht Dr. Goodyear die Problematik.
Es sei geplant, die Tests mithilfe von Studierenden der Jade Hochschule durchzuführen. Das Gebäude biete generell eine gute Chance für Studierende, Projektarbeiten zu machen. So wurde bereits ein Exposé zur Vorgehensweise der Sanierungsarbeiten des GLOBE von Studierenden aus dem Studiengang Bauingenieurswesen erarbeitet.

Aber selbst über den historisch-kulturellen Kontext hinaus scheint das Gebäude etwas Besonderes zu sein. Im Gegensatz zu anderen GLOBE-Theatern, welche in ihrer Bauweise auf der ganzen Welt nahezu identisch und eher rudimentär ausgestattet waren, besitzt das Kino in Oldenburg eine ganze Bühne, mitsamt Orchestergraben. Das GLOBE wurde also, anders als die anderen, nicht exklusiv für Filmvorführungen genutzt, sondern auch für musikalische Darbietungen und sogar Theaterstücke. Das bestätigten Zeitzeugen. Warum man sich dazu entschied, gerade dieses GLOBE-Theater so bedeutend anders zu gestalten, ist allerdings unklar.
„Das und viele andere Dinge versuche ich herauszufinden“, so Dr. Goodyear. „Faszinierend finde ich, wie all solche kleinen Zufälle zu dem geführt haben, was das GLOBE heute ist. Ein ganz besonderes Stück deutsch-britischer Vergangenheit.“

Das GLOBE-Theater ist für alle Interessenten jeden ersten Sonntag im Monat bei Kaffee und Kuchen geöffnet. Wer mehr Informationen über die Kulturgenossenschaft und das Theater bekommen möchte, gelangt hier zur Internetseite der GLOBE eG.

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